Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (4 (1914))

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Literatur.

ständigen Auditoren bei der Entscheidung von Rechtsfällen ihre Mit-
auditoren schon seit Gregor X. hinzuzogen, führten sie allmählich auch
die Kollegialität an diesem kirchlichen Tribunale ein (S. 38), so zwar,
daß der richtende Auditor nicht ein Urteil fällen konnte, das der Ansicht
der Majorität seiner Kollegen widersprach (S. 45). Johann XXII. legte
im Jahre 1331 den bisher bestehenden Gerichtsgebrauch fest und teilte
die Auditoren in 3 Kammern ein (S. 41. 53), welche die Bedeutung von
3 verschiedenen Instanzen hatten und schon im Jahre 1325 nachweisbar
sind (S. 55).
Hinsichtlich der Zuständigkeit der Rota, deren Name, schon
1336 nachweisbar, wahrscheinlich von der Kreisform des Gerichtstisches
bei den gemeinsamen Sitzungen herzuleiten ist (S. 89), gab es anfänglich
keine feste Regeln, da der Papst die Streitsachen nach freiem Ermessen
den Generalauditoren oder den Kardinälen überwies. Aber schon am
Ende des 13. Jahrhunderts erkennt man eine festumgrenzte Zuständig-
keit, die abgesehen von den „causae maiores" alle kirchlichen Zivil-
Appellationssachen umfaßte, während die weltlichen Prozesse aus
dem Kirchenstaat im 13. und 14. Jahrhundert noch regelmäßig auch
in der Berufungsinstanz von besonderen Richtern in den einzelnen
Provinzen erledigt wurden (S. 64). Die weitere Entwicklung ging jedoch
in der Richtung, daß seit dem 15. Jahrhundert mehr und mehr auch die
bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten aus dem Kirchenstaat in der
Berufungsinstanz an die Rota überwiesen wurden. Nicht zuständig
war die Rota regelmäßig, abgesehen von besonderen päpstlichen Über-
weisungen, vornehmlich in allen kirchlichen Strafsachen und in welt-
lichen Prozessen, die nicht aus dem kirchenstaatlichen Gebiete stammten,
sowie in den „causae maiores", wo es sich entweder um sehr wichtige
Dinge oder um hohe kirchliche Würdenträger handelte, denen der Papst
eine besondere Rechtsprechung erteilte. Seit dem 17. Jahrhundert
wurde die Zuständigkeit der Rota immer mehr gemindert (S. 74ff.),
da ihr die Errichtung ständiger Kardinalskongregationen durch Sixtus V.
im Jahre 1587 (mit Verwaltungs- und kumulativen richterlichen Be-
fugnissen) das Wasser abgrub. Im 19. Jahrhundert galt sie fast nur noch
als Gericht für die weltlichen (und kirchlichen) Prozesse aus dem Kirchen-
staat, mit dessen Aufhebung sie tatsächlich arbeitslos wurde (8. 81).
Die durch die Neuordnung vom 29. Juni 1908 reformierte Ver-
fassung der Rota wird dann von Schneider nach ihren verschiedenen
Richtungen hin mit sorgfältiger Kritik besprochen, indem er zunächst
die Zusammensetzung des Rotapersonals (Richter = uditori, Notare,
Advokaten, Prokuratoren) behandelt, die Vorbedingungen für seine An-
stellung, die Privilegien, die Geschäftsverteilung und die Gerichtssprache.
Mit Recht wendet er sich gegen die in gewissem Sinne vorhandene Privi-
legierung der italienischen und französischen Sprache (8. 168), die beide
neben dem Lateinischen als zulässig gelten. Es sind 10 ordentliche
Richter (auditores) vorhanden, die zu je 3 einen Turnus, dem Alter der
Anstellung nach, bilden, so fortlaufend, daß 10 turni hergestellt werden
können (S. 118). Die Rangstellung der auditores ist hinter derjenigen

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