Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (4 (1914))

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Heinrich Mitteis,

rateten.1) Die cum unica et virgine Vermählten behalten
den geistlichen Gerichtsstand, vorausgesetzt, daß sie die
Tonsur weiter tragen und sich auch sonst klerikal führen.
Gehen sie aber, wie das ja nach der Verheiratung leicht ge-
schehen konnte, ganz in weltlichen Geschäften auf, so ver-
lieren sie das privilegium.2) Diese Sätze stellen jedoch nur
die gröbsten Umrisse dar; alles Weitere müßte auf Grund
eines größeren Quellenmaterials untersucht werden, vor
allem, wann zuerst das weltliche Recht dazu übergegangen
ist, teils von sich aus, teils auf Grund der kirchlichen Lehre
von der bigamia similitudinaria auch den nur einmal ver-
heirateten Kleriker vor sein Gericht zu ziehen.3)
B. Ausschluß der geistlichen Gerichtsbarkeit.
Dem Kreise von Sachen, in dem die geistliche Ge-
richtsbarkeit auch von den weltlichen Quellen als Allein-
herrscherin angesehen wird, steht das andere Gebiet gegen-
über, auf dem die weltlichen Gerichte die geistlichen mit
zwingender Notwendigkeit ausschließen.
1. Zunächst ist hier an bereits Behandeltes anzu-
knüpfen.4) Schon früher war von den Prozessen um Grund-
et turpibus quaestibus se immiscent, dum his se implicant, privilegio
dericali gaudere non possunt. Et in talibus non est aliqua monicio ex-
pectanda.
*) Cap. un. in VI0 de bigamis I 12 (Gregor X): . . bigamos de-
claramus omni privilegio clericali esse nudatos . .
2) c. 2 X de der. conj. III 3. Verheiratete Geistliche sind nicht
ad ecclesiastica beneficia zuzulassen, nisi . . unicam et virginem habu-
issent uxorem; ebenso dum se sic secularibus negotiis implicant: c. 9
ebda. Zur ganzen Lehre vgl. Fournier, Officialites p. 68 s.; Es mein,
Le mariage II p. 101; Edgar Loening, Geschichte des deutschen
Kirchenrechts, Straßburg 1878, I 176f., II 316.
3) Den Verdacht einer Verwischung zwischen clerici bigami und
uxorati erregt eine Stelle im Stilus curie des Du Breuil, XXXIII 1,
8. o. 8. 294, vgl. Grant Coutumier II c. 46; auch normannische Urteile
sagen z. B. Item bona cujusdam clerici conjugati, etiam bigami,
qui se suspendit, eidem episcopo fuerunt redditi. VgL Delisle, Recueil
No. 806 p. 422. 1258; No. 272 p. 306. 1219. Olim I p. 665 (oben S. 296):
uxoratus et bigamus. Nach Dove, De jurisd. eccl. p. 169 n. 5 bezieht sich
der Ausdruck „bigame" auch schon bei Beaumanoir die auf bigamia simi-
litudinaria. Vgl. Du Cange s. v. bigamus. Über bigamia similitudinaria
vgl. Hinschius, Kirchenrecht I 8. 54 mit Lit. 4) 8. o. 8. 283.

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