Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (2 (1912))

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Eduard Eichxnann,

Der erste Gelehrte, welcher sich mit einer kritischen
Sichtung der Ordines befaßte, war Georg Waitz, Die
Formeln der deutschen Königs- und der römischen Kaiser-
krönung vom 10. bis zum 12. Jahrhundert (Abhandlungen
der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen
18. Bd. 1873). Wie der Titel zeigt, hat Waitz nicht ganze
Arbeit geleistet und leisten wollen, da er nur die Zeit vom
10.—12. Jahrhundert in den Kreis seiner Forschung gezogen hat.
So wertvoll und bahnbrechend seine Untersuchungen waren,
so müssen sich seine Ergebnisse bezüglich Charakter, Zeit
und Geltungsdauer der von ihm behandelten Ordines heute
wesentliche Korrekturen gefallen lassen. Im Gegensatz zu
Waitz hat J. Schwarzer ganze Arbeit zu leisten gesucht,
indem er seine Untersuchungen auf die ganze Zeit von Karl
d. Gr. bis Karl V. ausdehnte; er hat in einer Abhandlung „Die
Ordines der Kaiserkrönung“ (Forschungen zur deutschen Ge-
schichte 22. Bd. 1882, 8. 159 ff.) die Krönungsformeln einer
nochmaligen eingehenden Untersuchung und kritischen Sich-
tung unterworfen, um manche dunkle Punkte, welche Waitz
unerledigt gelassen, aufzuheilen und seine in manchen Fragen
abweichende Ansicht zu begründen. Auf Schwarzer folgte
A. Diemand, Das Zeremoniell der Kaiserkrönungen von
Otto I. bis Friedrich II. 1894, welcher in der Hauptsache
auf Schwarzers grundlegenden Forschungen weiterbaute, sich
aber wieder auf eine bestimmte Periode beschränkte.
Daß immer noch kein fester Boden gefunden ist, geht
daraus hervor, daß Waitz-Seeliger, Deutsche Verfassungs-
geschichte VI2 für die Zeit von Otto I. bis zur Mitte des
12. Jahrhunderts eine Darstellung des Krönungsritus gibt,
welche unter Ablehnung der Resultate von Schwarzer und
Diemand die oben erwähnten Darlegungen von Waitz zur
Grundlage nimmt. Seit Jahr und Tag mit einer Geschichte
der Kaiserkrönung beschäftigt, sah ich mich daher in die
Notwendigkeit versetzt, die Aufstellungen der genannten Ge-
lehrten nochmals an der Hand des gesamten Quellenmaterials
kritisch zu prüfen. Eine zu diesem Zwecke mit Unterstützung
des k. k. österreichischen Kultusministeriums unternommene
Studienreise gab mir Gelegenheit, die Handschriften der
Bibliotheca Vaticana zu Rom, der königlichen Bibliothek zu

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