Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (2 (1912))

Literatur.

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.congregatione), sowie daß das persönlich dem Abte gegenüber abzu-
legeflde Gehorsams versprechen in ihr und der zugehörigen mündlichen
Promissio beschränkt wird durch Zusätze wie: in quantum vires nostri
subpetünt et Dominus dederit nobis adiutoriimi oder: in quo possum.
Man braucht diese Klauseln bloß zusammenzuhalten mit c. 68 der
Benediktinerregel: Si fratri impossibilia ininngantur. um mit Her-
wegen die Einwirkung außerklösterlicher Einflüsse zu erkennen, näm-
lich fränkischer, durch den fränkischen Treueid bestimmter. Doch wie
dem auch. sei. jedenfalls ist hier wie in der Formel, des Petronax die
Dreiheit der obedientia, conversatio morum und stabilitas durch Ein-
beziehung des zweiten Versprechens in da> dritte zu einer Zweiheit
verkümmert. Diese zweigliedrige Profeß behauptet sich im frühesten
Mittelalter gegen den. .Hegeltext, auf der Reichenau und in 8t. Galten sogar
bis in die ersten Jahrzehnte des 9. Jahrhunderts. Darm tritt die Regel
wieder in den Vordergrund und mit ihr die dreigliedrige Profeß. Unter
den Formeln dieses Typus ist die von Albi wegen des Ausdrucks:
conversatio inicht conversio'« inorme und wegen der Frage- und \nt-
wortform sicher uralt und zwar ausgesprochen römisch. ZurZeit Karls
des Großen tritt die dreigliedrige Formel zuerst wieder in Italien auf:
Paulus Diakonus überliefert sie uns als zu seiner Zeit gebräuchlich
in seinem .Regelkommentar. Unabhängig davon und weniger scharf
juristisch als streng aszetiseh-monnstisch ist die promissio-petitio des
Smaragd, in der alle germanisch-volkstümlichen Anwandlungen, wie
sie die Formel von Flavigny verrät, abgestreift sind.
Demnach verlief die Entwickelung der Frofeßformel folgender-
maßen: Die dreigliedrige petitio in römischrechtlicher Urkundenform,
die wir für die Zeit des hl. Benedikt anzunehmen haben, und für die
mittelbar die Promissio von Albi zeugt, mußte der zweigliedrigen des
Petronax weichen. Aber nicht infolge einer gleichzeitigen Änderung
des Textes der Regel, sondern mit Rücksicht auf deren veränderte
Interpretation. Als die mündlich überlieferte Deutung des Terminus:
conversatio in Monte Cassino verloren gegangen war, faßte man ihn als:
Mönchsleben schlechthin auf, verband ihn ausdrücklich oder stillschwei-
gend mit der stabilitas und kam so zu der zweigliedrigen Profeßformel,
die sich auf stabilitas (sc. conversationis et loci) und obedientia
beschränkt. Und zwar zuerst im gallisch-fränkischen Mönchtum, wie
denn auch in Frankreich das Doppelgelübde der Beständigkeit und
des Gehorsams in den Consuetudines noch zu einer Zeit im Vorder-
gründe steht, in der die neue dreigliedrige Formel längst zu allge-
meiner Geltung gelangt war. Ihr Aufkommen verdankt diese den
Regelerklärern. Nur daß letztere jetzt an Stelle der ursprünglichen:
conversatio die: conversio morum setzten. Dieser neue Ausdruck findet
Aufnahme in den Regeltext und „ verdrängt die authentische Lesart con-
versatio für das Mittelalter und für die neue und neueste Zeit bis zu
völliger Vergessenheit“. Die Textänderung geht, so viel sich erkennen
läßt, auf Paulus Diakonus zurück. Dieser hat sie, vielleicht unter
gallo-fränkischem Einfluß, vielleicht im Anschluß an liturgische Texte,

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