Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (2 (1912))

Literatur.

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lasHe angehört, sieh nicht scheuten, unter dem Gesichtspunkte der
B^bM^geschichte, namentlich der kirchlichen, umfassende juristische
Studien zu machen, die sie in Stand setzen sollten, das Gebiet der
8>jt(?er$n Ordensrechtsentwicklung, insbesondere der Profeßgeschichte
mit Aussicht auf Erfolg in Angriff zu nehmen.
Es ist eine Erstlingsstudie, die Rothenh äusler uns in der
ersten von den beiden oben genannten Untersuchungen vorlegt. Aber
sie macht der Gelehrsamkeit und dem feinen Forscherspürsinn des Ver-
fassers alle Ehre. Ihr Hauptinhalt und ihr Hauptverdienst ist die Auf-
klärung des Ausdrucks und Begriffes: Conversatio morum. Dieser
bildet eine von der bisherigen Forschung nicht erkannte, darum aber
nur um so größere Schwierigkeit in der Erfassung und Erklärung der
in Regula s. Benedicti c. 58 normierten Aufhahmehandlung. Heute
verspricht der Benediktiner in der Profeß: Conversio morum, Bekehrung
der Sitten. Versprach er mit dem in der Urgestalt der Regel erwähn-
ten: conversatio morum suorum etwas Anderes und was? Um das
Ergebnis der mit einem großen Aufwande von historisch-philologischen,
theologisch-moralisch-monastischen Gesichtspunkten geführten Unter-
suchung kurz wiederzugeben, so brauchte Benedikt für Kassians: abre-
nuntiatio (d^otayrj) und: abrenuntiari in seiner Regel: conversatio und:
converti und verstand darunter die allgemeine, aber auch zentrale Pflicht
alles, des vorbenediktinischen wie des benediktinischen Mönchtums und
den Daseinsgrund sowie Zweck des Mönchslebens: den sittlichen Wandel.
Man wende nicht ein, dagegen spreche, daß in c. 60, wo von der Profeß
niederer Kleriker, und in c. 61, wo von der Aufnahme fremder Mönche die
Rede ist, die conversatio morum fehle. Vollständig ist Benedikt nur in
c. 58, als der Hauptstelle, in der die Profeß formell geordnet ist; in
der Sonderbestimmung über die Aufnahme von Klerikern wird wie in
der Vorerklärung des gewöhnlichen Novizen der Wandel der Sitten
durch das allgemeine Versprechen der Regelbeobachtung mit gedeckt,
und bei der Sonderanordnung über die Aufnahme fremder Mönche
konnte, weil diesen die Verpflichtung zum Wandel der Sitten bereits ob-
lag, Benedikt sich noch kürzer fassen und nur das hervorheben, was bei
der Unterwerfung unter seine Regel neu hinzukam, die Verpflichtung
zur Stabilität. Conversatio morum ist aber auch nicht etwa gleich-
bedeutend mit Regelbeobachtung, sondern gibt die zugrunde liegende
Gesinnung wieder und geht weiter, da sie ja nicht zur Beobachtung
gerade dieser Regel verpflichtet. Darum hat sich auch Benedikt nicht
mit dem Versprechen der Regelbeobachtung schlechthin begnügt, son-
dern drei Versprechen gefordert, indem er der allgemein-zönobitischen
Verpflichtung zum Wandel der Sitten das Versprechen des Gehorsams
(gegen Regel und Abt) voranstellte und das der Beständigkeit im Ver-
bände als neue und für die ganze weitere Entwickelung des abend-
ländischen Mönchtums bedeutsame Errungenschaft nachfolgen ließ.
Nunmehr kann zu der rechtlichen Erklärung der Aufnahmehand-
lung geschritten werden. Sie zu zergliedern hatte Rothenhäusler
schon in einem einleitenden ersten Teile unternommen. Dabei hatte

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