Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (2 (1912))

Die Ordines det Kaiserkrönung.

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Verleihung geistlicher und bischöflicher Gewänder1), nament-
lich der Mitra2) und pontifikaler Beschuhung3), welche den
Kaiser wenigstens äußerlich als eine Art Priesterkönig er-
scheinen ließen. Neu ist der Eid des Königs, die guten Ge-
wohnheiten und Rechte der Römer zu achten. Dreimal muß
der Eid während des Einzuges geleistet werden. Von Otto I.
wissen wir, daß er in seinem, Johann XII. a. 962 geleisteten
Eide versprach, in Rom kein auf den Papst oder die Römer
bezügliches Gesetz zu erlassen ohne Zustimmung des Papstes4).
Neu ist endlich die Einfügung eines Ritus für die Krönung
der Kaiserin. Otto I. ist mit Gemahlin gekrönt worden, und
im 11. Jahrhundert ist dies bei allen Kaiserkrönungen der
Fall gewesen.
Machen die erwähnten Umstände es schon wahrschein-
lich, daß dieser „novus et mirus apparatus“ für Otto I., den
Erneuerer des abendländischen Kaisertums, hergerichtet
worden ist, so müssen wir doch versuchen, zu größerer Ge-
wißheit vorzudringen.
3. Zur Bestimmung des terminus a quo ist zunächst das
Verhältnis der beiden nach Oeneius benannten Ordines zu unter-
suchen. SchonMabillön5), dann Schwarzer6) und neuestens
Fabre-Duchesne7) haben sich zu der Ansicht bekannt, daß
Oeneius I nur ein Auszug aus dem ausführlicheren 0. II sein
könne. I enthält die Formel des Krönungseides, im Wort-
laut allerdings von II etwas abweichend, dann das Gebet
des Bischofs von Albaho „Deus in cuius manu“ vor der
silbernen Pforte, das Gebet des Bischofs von Porto auf der
Porphyrscheibe „Deus inenarrabilis auctor mundi“, sodann
*) Zweifellos eine Verkirchlichung byzantinischer Bräuche. Über
den Schuh vgl. W. Sickel, Byzantinisches Krönungsrecht 8. 527, 554.
Nach Const. Constantini § 14 gewährt Konstantin dem Papste die
clamis purpurea, tunica coccinea, imperialia indumenta, diadema und
sceptra. Man vergleiche hiermit Einhard, Vita Karoli M. c. 33: Karl
d. Gr. ist bekleidet mit tunica, clamis, calceis, diademate, und die
Kleidung Karls des Kahlen (Arinal. Fuldenses a. 876): talari dalmatica;
capite involuto serico velamine ac diademate desuper inposito. —*
a) J. Braun, Liturgische Gewandung 457. — *) Braun a. a. 0. 896. —
4) MG. Const. I 21. — 8) Museum Italicum II 215 Note: fusior et
distinctior est ordo apud Onufrium Panvinum. Vgl. oben 8.14 A. 1. —
*) Ordines der Kaiserkrönung 176 ff. — 7) Liber censuum p. 420 Note.
Zeitschrift für Rochtsgeschichte. XXXIII. Kan. Abt. II. 2

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