Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (2 (1912))

Die Ordinea der Kaiserkrönung.

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und neuesten» Fabre-Duchesnex) beziehen ihn auf die Krö-
nung Heinrichs III. (1046). Schwarzer2) will ihn schon für
Heinrich II. (1014) gelten lassen, Diemand3) ihn noch weiter
zurückverlegen und diesen oder doch einen ihm nahe ver-
wandten Ordo schon für Otto I. in Anspruch nehmen. Daß
trotz der scharfsinnigen und tiefgründigen Untersuchungen
von Schwarzer immer noch kein fester Boden gewonnen zu
sein scheint, zeigt sich darin, daß Waitz-Seeliger, Deutsche
Verfassungsgeschichte YI2 233 A. 4 das Fazit der bisherigen
Forschungen also formuliert: „Mag auch manche Bestimmung
des Ordo (Oeneius II) auf frühere Zeit zurückgehen und
mag auch mit Recht bezweifelt werden, daß uns hier die
bei Heinrichs YI. Krönung offiziell geltenden Normen begegnen,
es wäre meines Erachtens durchaus irrig, im Ordo Oeneius II
eine getreue Schilderung der Kaiserkrönungen des 11. Jahr-
hunderts zu sehen.“
1. Als feststehend muß betrachtet werden, daß es sich
im Oeneius II nicht um eine private „Beschreibung“ einer
stattgehabten Krönung handeln kann. Der Ordo liest sich
nicht als Erzählung oder Bericht, sondern als eine amtliche
Instruktion. „Incipit ordo Romanus ad benedicendum Im-
peratorem, quando coronam accipit a domino Papa in
basilica beati Petri apostoli ad altare sancti Mauritii.“
Nirgends spricht er im erzählenden, beschreibenden Perfekt,
sondern durchweg im befehlenden Ton des Indikativ Präsens.
Für seinen amtlichen Charakter spricht ferner seine Auf-
nahme in ein amtliches Verzeichnis der Kurie. Hier hatte
er den Beleg für eine Einnahmequelle der Kurie zu bilden;
denn bei seiner Krönung opfert der Kaiser dem Papste Gold,
und nach Schluß der Feierlichkeit läßt er das sog. Presby-
terium d. h. Geldgeschenke an die bei dem Akte beteiligten
päpstlichen Palastbeamten verteilen.
2. Der neue amtliche Ordo schließt insofern unmittelbar
an den karolingischen an, als er die für die ausgehende erste
Periode bezeugten Bestandteile des Krönungszeremoniells
übernommen, sie gewissermaßen kodifiziert hat. Man braucht
nur den Bericht der Gesta Berengarii über die Krönung von
‘) Le liber Censuum p. 1* N. 1. — a) Die Ordines der Kaiser-
krönung 172 ff., 193. — 8) Das Zeremoniell 8. 9ff.

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