Volltext: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (5 (1915))

9.5. d'Alès, A., L'édit de Calliste

Literatur*

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Buche finden, ist hier nicht angängig. Einige wenige möchte ich aber
doch berühren, um zur Vorsicht zu mahnen. Weingartens Theorien
über die Bewohner des Serapeion und ihren Zusammenhang mit dem
christlichen Mönchtum hat Erwin Brenschen, Mönchtum und Serapis-
kult, Gießen 1903, als völlig unhaltbar nachgewiesen. Zur Beurteilung
des Armutsbegriffes der gottgeweihten Jungfrauen der alten Kirche und
der Kanonissen des Mittelalters ist K. Heinrich Schäfer, Die Kano-
nissenstifter im deutschen Mittelalter, Kirchenrechtliche Abhandlungen
Heft 43 und 44, Stuttgart 1907 (bes. S. 34ff.; 201 ff.; 205ff.; 232f.), zu
vergleichen. Nacktheit und tierischer Lebensweise in Nahrung und
Herberge bei einzelnen Aszeten der Wüste liegen noch andere religiöse
Gedanken als der der Armut zugrunde (siehe hierzu Heckenbach,
De nuditate sacra sacrisque vinculis. Gießen 1911). Zu S. 27 sei bemerkt,
daß der hl. Basilius eine Gelübdeablegung zwar nicht vorfand, aber
eine solche einführte (Migne, P. Gr. XXXII 720). In der lateinischen
Fassung des Rufinus heißt dieses Gelübde professio virginitatis (Inter-
rogatio VII., Migne, P. lat. CHI 498 f.).
Einen Ausgleich zwischen Armut im Geiste und Armut im Werke
hat Dmitrewski nicht gefunden. Ihm ist völlige Besitzlosigkeit das
höchste Ideal. Wer wollte aber daran zweifeln, daß das paulinische
„Besitzen als besäße man nicht" in der klassischen Abgemessenheit
der dem kirchlichen Altertum angehörigen Mönchsregeln eine be-
wunderungswürdige Verwirklichung gefunden hat ? Sie ist denn auch
für alle Armutsbestrebungen richtunggebend geblieben, deren Träger
nicht mehr einzelne, sondern Gemeinschaften waren.
Maria Laach. Ildefons Herwegen.

A(dhemar) d’Ales, L’ edit de Calliste, Etüde sur les ori-
gines de la penitence chretienne (Bibliotheque de Theologie
historique, publiee par VInstitut catholique de Paris). Paris, #
Gr. Beauchesne 1914. VII, 483 S.
Kaum eine Frage hat die katholische Forschung der letzten Jahre
so viel beschäftigt als die nach Buße und Beichte in den ersten
christlichen Jahrhunderten, und in keiner ist der Unterschied
zwischen dogmatischer und historischer Betrachtungsweise so deutlich
zutage getreten wie hier. Wer die Methoden der Theologen von heute
in ihrer sichtbarlichen Anwendung beobachten und seine abstrahierenden
Schlüsse ziehen will, der vergesse nicht diese neuesten Beicht- und Buß-
studien einzusehen; sie sind methodologisch höchst lehrreich. Während
immer noch aus dem Munde der einen das Hie Dogmatik, aus dem der
andern das Hie Historie erschallt, kommen nun letztlich Vermittlungs-
theologen, namentlich Pohle in Breslau oder Poschmann in Braunsberg,
die, selbst Dogmatiker, ihren Fachgenossen die Beachtung auch der
geschichtlichen Tatsachen und Forschungen dringendst ans Herz legen;
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