Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (5 (1915))

Die Geltung des kanonischen Rechts in der evang. Kirche. 237
geschehen lassen, daß unser Seel. Lutherus mit uner-
schrockenem Muthe der Päbstlichen Clerisey die War heit
sagte, und in die Theologie stürmete. Aber gewiß wann
in der Jurisprudentz, die ja eben solche Reformation ihrer
Art nach nöthig hatte, ein ander ein gleiches Werck vor-
genommen hätte, würden sie ihm keine hülffliehe Hand
geleistet, sondern vielmehr gedrucket haben, weil dieses
Werck mehr auff ihre Studien wäre gerichtet gewesen und
ihre Blösse gezeiget hätte. Die Reformation, die einige
Stände in der Jurisprudenz zur Zeit des Friderici III.
vorzunehmen willens waren1) war noch in frischem Ge-
dächtniß, und sähe man daraus wohl, wie schlechten Fort-
gang man in dergleichen Sachen sich zu promittiren hätte."
„Aus diesen erhellet nun auch, daß die gemeine Lehre in
jure publico, als wenn die protestirende Fürsten in Teutsch-
land bey ihrer Regierung zwo Personen repraesentireten,
nemlich eine Bischöffliche und eine Fürstliche, jene in
Religions-Sachen, diese in Weltlichen, aus einem irrigen
principio herfliesse, nemlich weil man in dem jure canonico
lehret, daß die Religions-Sachen für die Bischöffe gehören"2)
.„Vor der Reformation waren freylich die Jura
Episcopalia von den Juribus principum verschieden, weil
man im Pabstthum es für eine Tod-Sünde hielte, wenn ein
Fürst sich die jura Episcopalia, die doch in der That auff
Weltliche Sachen giengen, anmassen wolte. Nach der
Reformation ist es am besten, daß man diesen Unterscheid
weg läst, weil er zu einigen falschen Conclusionibus Anlaß
giebt.“3).
„Die Pflicht eines Fürsten als Fürsten erfordert nicht,
daß, wenn seine Unterthanen einer falschen Christlichen
Religion zugethan seyn, er dieselbe zu der wahrenden selig-

b cf. § 1 S. 174 der Unters. 2) 1. c. S. 53.
3) 1. c. 8. 54. Er führt z. B. Chr. Weber, tractat, de jure consistor.
(1642) cap. 47 an, der die Notwendigkeit der Konsistorien u. a. auch auf
c, 39, c. 11 qu. 1 stützte (clericus clericupi ad publica judicia non per-
trahat). Das Recht in Religionssachen stehe aber den Fürsten als Fürsten
zu, das Consistorium sei ein weltliches Gericht und daher passe der cit.
can. gar nicht auf die Konsistorien 1. c. 8. 54 f., das gleiche gelte von
c. 5 X, 3. 50; 1. c. 8. 56 f.

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