Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (5 (1915))

Der Ursprung der Kölner Pfarreien.

131

Baptist klar als Tochterpfarrei von 8. Severin. Die Ab-
trennung hat wohl gegen Ende des 12. Jahrhunderts statt-
gefunden1), jedenfalls nicht vor 1106; denn die Grenze
zwischen der Severins- und Johann-Baptist-Pfarre fällt
durchweg mit dem in diesem Jahre zum Schutze der Vor-
stadt Oversburg angelegten Graben zusammen. Ursache
der Teilung war jedenfalls die um die Jahrtausendwende
anhebende und rasch fortschreitende Besiedelung des östlich
und nördlich der Johanniskirche gelegenen Landes.2) Diese
selbst gehörte vor ihrer Erhebung zur Pfarrkirche offenbar
dem Severinsstift und diente vielleicht, wie ihr Patrozinium
andeutet, als Baptisterium der ungeteilten Severinspfarre.
Auch der Sprengel von S. Jakob muß ursprünglich
fast ganz zu dem Bezirk von S. Severin gehört haben,
das östlich der Severinstraße gelegene Stück vollständig,
der Rest mindestens teilweise.3) Möglich, daß schon Anno
die Pfarrgerechtsame über das damals jedenfalls ganz spär-
lich, noch um die Mitte des 12. Jahrhunderts dünn be-
siedelte Gebiet von 8. Severin erwarb und dem Georgsstift
schenkte.4) Anfänglich mag die Stiftskirche als Pfarrkirche
gedient haben, bis der Pfarrgottesdienst in die daneben
hegende, gleichfalls von Anno errichtete Jakobuskapelle
•verlegt wurde. Als Pfarrkirche wird diese erstmals 1172
genannt.5) Der Pfarrer mußte aus den Kanonikern von
S. Georg genommen werden.6)
x) „Due parochie s. Severini videlicet et s. Johannis ante divisi*
onem modernorum tempore factam fuerunt una parochia“, Staatsarchiv
Düsseldorf: Köln, S. Severin, Urk. von 1200/1203. Esser a. a. O. S. 102
verzeichnet einen Pfarrer Johannes von 8. Johann Baptist zum Jahre
1150. In dem von ihm zitierten Heberegister findet sich jedoch die
Jahresangabe nicht.
2) Vgl. Keussen, Karte 3 und 4.
3) Nach der unechten Wichfrid-Urkunde (S. oben S. 126f.) gehörten
auf der Strecke Hohepforte—Johanniskirche 17 Tagewerk westlich der
Straße zu 8. Severin; der westlich der Severinstraße gelegene Teil der
späteren Johannispfarre ist jedoch bedeutend kleiner.
4) Vgl. Keussen, Karte 3 und 4. Bemerkenswert ist, daß die
Pfarrgrenze von 8. Jakob hinter den Häusern der am frühesten dicht
bewohnten Straßen von S. Johann Baptist herläuft (ebenda Karte 4 u. 7).
6) Vgl. S. 148.
®) Rotulus S. 144; vgl. unten S. 153.

9*

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer