Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

Die Wirkungen der Kaiserweihe nach dem Sachsenspiegel. 5
Erde fortgewirkt, was eine neuerliche Bestätigung für das
Ansehen dieser Handschrift bzw. die Verbreitung der älteren
Fassung ist, da ja in der Zeit der Verfassung des Rechts-
buchs nach Distinktionen — nach der Mitte des 14. Jahr-
hunderts — auch Handschriften der jüngeren Fassung schon
gang und gäbe waren. Ferner läßt uns die Übereinstimmung
der mehr oder weniger kurialistisch gefärbten Rechtsbücher,
welche durchwegs von der älteren Fassung abgehen, er-
kennen, daß man in der ursprünglichen Fassung des Sachsen-
spiegels einen den gesteigerten päpstlichen Machtansprüchen
widerstreitenden Gedanken erblickte.
Auch die Glosse1) zum Sachsenspiegel legt unsere Stelle,
offensichtlich an deren ältere Fassung anknüpfend, deutlich
im Sinne der Kaiserwahl aus: Wisse diese weihung gibt
ihm den Königlichen namen. Die wähl aber gibt ihm das
Reich und Keyserthumb, ob ihn gleich der Bapst nimmer
bestettigte, ut 93 dist c. legimus et not. ibi super verbo
Imperatorem.2) Diese Glosse ist zunächst neben dem

*) Ich zitiere nach der Zobel’schen Ausgabe (Leipzig 1561), vgl.
8. 42 des vorletzten Bandes dieser Zeitschrift Anm. 2.
2) Unmittelbar darauf folgt dann die von Stengel, Den Kaiser
macht das Heer S. 53f. verwertete Glosse: Hie behalt, wie der König
das Reich erkrieget: Erstlich hat er das Königrich von der Wahl, dar-
nach erwirbet er das Kaiserreich mit stritten, den Keyserlichen namen
aber erlangt er durch des Bapsts weihung. Vgl. dazu meine Ausfüh-
rungen in MIÖG. XXXIV 8.377. Ich möchte heute noch, meine damaligen
Ausführungen einschränkend, beifügen, daß im Zusammenhang mit der
vorangehenden Glosse die von Stengel bezogene Stelle an Beweiskraft
erheblich verliert; denn nicht durch den „Streit“ an sich wird das Kaiser-
tum erworben, sondern das durch die Wahl rechtlich bereits erworbene
wird erstritten. — Der Vollständigkeit halber möchte ich übrigens er-
wähnen, daß die Zobel’sehe Ausgabe der Glosse zu III 57 zu den Worten
„In des keysers wähl sol der erste sein“ eine Auseinandersetzung enthält,
die mit der im Text mitgeteilten Glossenstelle schwer in Einklang zu
bringen ist und die kaiserliche Gewalt von der Weihe durch den
Papst ableitet. Wenn diese Stelle auf Johann v. Buch zurückgeht, was
sich mangels einer kritischen Ausgabe der Glosse nicht ohne weitere»
feststellen läßt (auch die Kölner Ausgabe des Landrechts von 1480 steht
mir nicht zur Verfügung), so könnte man nur entweder annehmen, daß
er sich zu einer festen Ansicht in unserer so wichtigen staatsrechtlichen
Frage überhaupt nicht durchgerungen hat, oder man müßte etwa zur Not
zu folgender Konstruktion greifen: Wahl, Romfahrt und Weihe sind

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