Full text: Volume (9 (1919))

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Karl Gottfried Hugelmann,

die jüngere Fassung behauptet, insoweit die
Rechtsbücher überhaupt auf die Frage zu spre-
chen kommen.
Was die sächsischen Rechtsbücher anlangt, so schweigt
das sächsische Weichbildrecht begreiflicherweise, aber auch
das Görlitzer Rechtsbuch gänzlich über diese staatsrechtliche
Grundfrage. Hingegen enthält das Rechtsbuch nach Di-
stinktionen im 6. Buch 9. Kapitel (ed.Ortloff 1836 S.319ff.)
eine ziemlich genaue Darstellung. Distinctio 6 spricht von
dem Wahlurteil in Rense — nebenbei bemerkt, auch eine
interessante Stelle — und fährt dann fort: Wen daz ge-
orteylt wert, so sullen denne dy kurfursten czin mit deme
koninge kegen oche. Wen her do gewyt wert, so had her
königlichen namen. Wenne her denne ezu rome fert unde
on der bobist gewit, so had her keyserlichen namen. Man
sieht, daß das Rechtsbuch nach Distinktionen sich in bezug
auf die Kaiserweihe ganz genau der Fassung der Quedlin-
burger Handschrift anschließt, was nur um so bedeutsamer
ins Gewicht fällt, als in bezug auf die Voraussetzungen des
Königstitels eine nicht unerhebliche Abweichung vorliegt:
die Auslassung der Thronsetzung.
Außerhalb Sachsens hat im Gegensatz hiezu die ältere
Fassung des Sachsenspiegels keinen Nachhall gefunden.
Schon der Deutschenspiegel Art. 285 (ed. Ficker 8. 136)
folgt wörtlich der jüngeren Fassung des Sachsenspiegels.
Schwsp. Art. 118 (ed. Laßberg S. 59) sagt in der Haupt-
sache übereinstimmend: Die tüsehenkiesent den kiunig.. .—
swenne er gewihet wirt (nur einige Handschriften fügen bei:
und gesetzet wirt uf den stül ze ache), mit der willen
die in erwelt hant so hat er kiuniglichen gewalt. unde
namen. als in der habest, gewihet. so hat er volleclichen
dez riches gewalt. unde keiserlichen namen. Soviel wie
wörtlich stimmt mit der jüngeren Fassung des Schwaben-
spiegels überein das Landrechtsbuch Ruprechts von Frey-
sing (cap. 84, ed. v. Maurer 8. 100), während das Kaiser-
recht über unsere Frage schweigt.
Dieses Verhalten der Rechtsbücher ist u. E. nicht be-
deutungslos. Offensichtlich hat der Sachsenspiegel in der
Fassung der Quedlinburger Handschrift auf sächsischer

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