Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

50

Karl Gottfried Hugelmann,

folgend) abschloß, deren zweites feststellte, daß der in con-
cordia gewählte König dieselbe Gewalt habe, wie der Kaiser,
und die Weihe nichts als den Titel hinzufüge. Der Einfluß
des Sachsenspiegels auf den Wortlaut dieses Weistums kann,
wie schon Bloch bemerkt hat, gar nicht verkannt werden.
Sachlich handelte es sich allerdings um eine vom Papst
gebilligte Wahl, die Betonung der concordia im Anklang
an einen Satz des kirchlichen Ämterrechts1) ließ die Frage
des päpstlichen Einflusses bei der Zwiekur offen. Immerhin
entsprach die Fassung des Weistums nicht den päpstlichen
Ansprüchen, was auch der — auf dem Reichstag anwesende
— Kardinal Henricus de Segusio in seinem Dekretalen-
Kommentar, dem wir die Kenntnis des Weistums verdanken,
feststellte.2) Die Vorgänge in Braunschweig stellen eben
ein Kompromiß dar, wie es in den staatsrechtlichen Kämp-
fen — keineswegs nur des Mittelalters — häufig ist.3) Beide
Parteien konnten sich Wilhelms imperiales Walten gefallen
lassen: die eine, weil seine Wahl vom Papste gebilligt war
(was die Weihe und Krönung supplierte), die andere, was
in dem Weistum festgestellt wurde, weil er von den hiezu
berufenen Fürsten einhellig erkoren war. Die hiedurch
geschaffene Lage glich aufs genaueste jener zwischen 1215
und 1220, in der die Lehre der glossa ordinaira zum Dekret
und des Sachsenspiegels gereift war. Auch in dem viel-
leicht auf ein neuerliches Weistum von 1256 oder 1262
zurückgehenden Referat des englischen Standpunktes in
der Bulle Qui celum (1263) klingt, wenn auch sehr getrübt,
die Lehre des Sachsenspiegels an4), indem die durch die
Aachener Feier nach vorangegangenem Krönungslager un-
anfechtbar gewordene Wahl dem Gewählten ein auch von
Seite des Papstes unbestreitbares Recht auf die Kaiser-
krone gibt. In dem Ausschluß des päpstlichen Prüfungs-

x) Vgl. oben SS. 42 f.
2) Oben S. 33.
3) Hugelmann, Die deutsche Königswahl im corpus iuris canonici,
S. 170 Anm. 1; MIÖG. XXXIV 8. 359 Anm.
*) Zeumer, Hist. Zeitschr., 94. Bd. SS. 241 ff.; Krammer.Wahl
und Einsetzung (Zeumers Quellen und Studien I2), SS. 14f.;Krammer,
Das Kurfürstenkolleg (ebd. VI), SS. 144 ff.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer