Full text: Volume (9 (1919))

Die Wirkungen der Kaiserweihe nach dem Sachsenspiegel. 17

Zweifel daran, daß für Eike Deutschland der Kern auch
des weiteren Reiches war, nicht zuläßt, so beweist die
zitierte Stelle doch so viel, daß Eike das Bewußtsein von
einer Reichsgewalt hatte, die, wenn auch kraft Rechtssatzes
dem deutschen König zustehend, doch begrifflich vom
deutschen Königtum verschieden war, wie sich daraus
ergibt, daß sie schon vor ihm bestanden hatte. Als Träger
dieser weltlichen Universalgewalt stellt Landr. I 1 den
Kaiser dem Papst zur Seite.
Wenn also der Sachsenspiegel lehrt, daß die Weihe und
Krönung in Aachen und Rom keine Gewalt übertrage, wenn
er vielmehr die volle Gewalt schon aus der Wahl ableitet, so
können wir, glaube ich, trotz der unklaren, etwas wechsel-
vollen Terminologie des Sachsenspiegels eine staatsrecht-
liche Bedeutung dieses Satzes kaum in Abrede stellen. Er
bedeutet, daß der von den deutschen Fürsten Erwählte
der Träger des römischen Imperiums ist, und hat, ange-
sichts der gerade im zwölften Jahrhundert sich durch-
ringenden Scheidung zum mindesten die praktische Spitze,
daß der König von der deutschen Wahl an volle Herrscher-
gewalt auch in Italien und Burgund hat, schließt also den
päpstlichen Einfluß von der Thronbesetzung aus und be-
hauptet für den Gewählten als kaiserliches zum mindesten
jenes unmittelbare Herrschaftsgebiet, welches das alte
deutsche Recht zur königlichen Prärogative gerechnet hatte.
Erst der spätere Zusatz bezeichnet (ähnlich wie III 60 § 2,
Anm. S. 53) mit rike technisch das weitere Reich. An der
gewonnenen Erkenntnis vermag nach dem oben Gesagten
die andere, daß der Spiegler, wie rike als vox media, so
vielfach die Worte kunig (koning) und keyser (keiser) pro-
miscue gebraucht, nichts zu ändern. Ihn leitet dabei offenbar
gerade die in dem hier besprochenen Artikel bekundete
Rechtsanschauung, daß nach gutem Recht die beiden Be-
fugnisbereiche in der Person des von den deutschen Fürsten
Gewählten verfassungsmäßig verknüpft sind und sich durch-
dringen, weshalb die Wahl als des keisers köre (Landr. III57
§ 2) erscheint. Es wird als das Normale vorausgesetzt, daß
der Gewählte alsbald zu Aachen und zu Rom durch die nach
außen sichtbare Bekleidung mit den Abzeichen beider in-
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XL. Kan. Abt. IX. 2

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