Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

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Karl Gottfried Hugelmann,

rike wenigstens in erster Linie das Königreich gemeint ist:
so wohl III 54 § 2 und noch deutlicher § 4, ferner III 19 und
81 (wo von des Reiches Ministerialen und dem Reichsgut»
mit dem sie belehnt werden, die Rede ist); aber auch I 29
(Ausschluß der Verschweigung gegenüber dem fiscus) und
selbst II 1 (Einschränkung des Bündnisrechtes der Fürsten
im Interesse des Reichs) steht der Gedanke an das deutsche
Königreich im Vordergrund. An mehreren Stellen des
Sachsenspiegels, so Landr. II 12 §§6 und 8 und III 71 § 2»
bedeutet rike das königliche Hofgericht, wobei allerdings
die Gerichtsbarkeit des Herrschers im ganzen Umkreis
seines Herrschaftsgebietes gedacht ist, wie auch der (üb-
rigens in den älteren Handschriften fehlende) Zusatz „des
rikes“ in Landr. III 60 § 2 das Reich im weiteren Sinne
bedeuten muß, da ja der König auch in Italien und Burgund
das Ledigwerden der Gerichte beansprucht.
Trotz dieses Mangels fest abgegrenzter Bezeichnungen
für das deutsche Königreich und das größere, das römische
Reich, das sacrum imperium Friedrichs I.1) war doch der
begriffliche Unterschied Eike zweifellos sehr wohl bewußt.
Das ergibt sich klar aus III 44 § 1, wo vom rike im Sinn
eines Reiches katexochen, eines einzigen Reiches, eines
Weltreiches die Rede ist, das sich zuerst in Babylon erhob»
dann an Persien, später an die Griechen, schließlich (nicht
etwa an die Deutschen, sondern) an Rom kam, das es noch
zur Zeit des Spieglers innehat. Wenn man auch nicht
vergessen darf2), daß vielfach im Sachsenspiegel die mit-
einander ringenden Anschauungen in naiver Unausge-
glichenheit nebeneinanderstehen, und daß der Charakter
des Rechtsbuchs, im Zusammenhang betrachtet, insbeson-
dere die Darstellung der Reichsverfassung III 51—64, einen

*) Übrigens finden sich auch bei Friedrich I. neben solchen Stellen»
wo ganz offensichtlich das gubernium orbis betont wird, andere, bei
denen eine Beziehung zu diesem spezifisch kaiserlichen Walten fehlt; siehe-
die Belege bei Zeumer, Heiliges römisches Reich deutscher Nation
(Quellen und Studien IV2) 8. 11.
2) Dies tut Krammer, Der Reichsgedanke des staufischen Kaiser,
hauses, Gierkes Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechts,
geschichte, 95. Heft.

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