Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

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Wilhelmine Seidenschnur,

der Salzburger Kirche, der als Lehen ausgetan war, dem
Hochstift zurückzuerwerben1), ja sein Regierungsprinzip
war es geradezu, die Vogteien abzuschütteln2) und sich und
seinen Nachfolgern vorzubehalten. Seitdem die geistlichen
Fürsten den Blutbann besaßen, erhielten sie dadurch einen
bedeutenden Machtzuwachs zur Begründung einer größeren
Landesgewalt.3) Deshalb ging ihr Bemühen dahin, heimfal-
lende Vogteien nicht neu zu verleihen, wobei sie in Gegen-
satz zu den weltlichen Fürsten traten, deren Streben aus
demselben Grunde darauf ging, möglichst viele Vogteien
zu erwerben. Durch die zielbewußte Tätigkeit Eberhards4),
die „Entvogtung“5) des kirchlichen Besitzes, ist die kirch-
liche Vogtei im Erzstift Salzburg auf keiner Linie zu größe-
rer Bedeutung gelangt und damit kein nennbares Hindernis
zur Ausbildung der Landeshoheit geworden.6) Nicht nur
in seiner Eigenschaft als Reichs- und Territorialfürst war
Eberhard auf Erhaltung und Erweiterung seiner Macht
bedacht, auch als Diözesanoberhaupt hielt er streng an
seinen bischöflichen Rechten fest7); ihm endlich gelang in
den langen hartnäckigen Kämpfen des Bischofs und des
Kapitels von Gurk um die Trennung des Bistums von

*) Ibidem, 8. 200, nr. 134; besonders im unteren Lavanttal,
Meiller, 1. c., nr. 513, 597, 515, und im Lungau, 1. c., nr. 516.
2) Widmann, Salzburg I, 322.
3) K. Lampreeht, Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter,
Bd. I2 (Leipzig 1886), 1134.
4) Meiller, 1. c., 8. 236, nr. 297; 8. 244, nr. 326; 8. 244, nr. 327; '
8. 245, nr. 331; 8. 262, nr. 373; 8. 255, nr. 384; 6. 273, nr. 478; 8. 278,
nr. 603; 8. 296, nr. 590. Wie großen Wert Eberhard darauf legte, die
Vogtei sich und seinen Nachfolgern dauernd vorzubehalten, geht beson-
ders daraus hervor, daß er seine Erklärung, wonach er für sich und seine
Nachfolger auf das Recht Verzicht leistet, für bestimmte Güter des
Domkapitels die Vogtei wieder zu verleihen, von Kaiser und Papst be-
stätigen ließ, Meiller, 8. 248, nr. 350 und 8. 246, nr. 337.
5) Brunner, Grundzügeder deutschen Rechtsgeschichte7 (1919), 149.
6) Fr. Martin, Die kirchliche Vogtei im Erzstift Salzburg, Mitteil,
der Gesellsch. f. Salzb. Landeskunde, 46. Bd. (1906), 426.
7) Siehe den langen Zwist zwischen ihm und dem Kloster St. Lam-
brecht, gegen dessen Exemptionsgelüste Eberhard seine Autorität durch-
setzte, Gruber, Eberhard II., Teil II, 25—28. -

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