Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

6. Die Versetzbarkeit der Geistlichen im Urteil der evangelisch-theologischen Autoritäten des 16. Jahrhunderts

Rudolf Schaefer, Die Versetzbarkeit der Geistlichen usw. 99

III.
Die Versetzbarkeit der Geistlichen
im Urteil der evangelisch-theologischen Autoritäten
des 16. Jahrhunderts.
Von
Herrn Pfarrer Lic. theol. Dr. jur. Rudolf Schaefer
in Heinzendorf (Kreis Guhrau, Schlesien).
Wir versuchten die Yersetzbarkeit der Geistlichen nach
den evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts
darzustellen.1) Wie stellte sich aber zu ihr die evangelische
Theologie? Auch hier ermitteln wir zuerst ihr Urteil über
die formellen und materiellen Voraussetzungen, dann über
das Verfahren und endlich über die einzelnen Arten der Ver-
setzung.
I. Die Voraussetzungen.
Unter den formellen Voraussetzungen wurde vor allem
die Frage nach dem Subjekt der Versetzung lebhaft er-
örtert. Die evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahr-
hunderts hatten den Patronen das Recht der Versetzung und
Entsetzung nicht zugestanden, sondern nur das Präsentations-
* recht, dagegen das Recht der Besetzung und Versetzung den
Rechtsträgern Vorbehalten, die in die Rechte der Bischöfe
sukzedierten, denen sie auch das Recht der Enturlauhung und
Entsetzung allein zuwiesen. Insbesondere wurde den Magi-
straten zwar das jus vocandi gewährt, aber die potestas
dimittendi versagt. Denen, die sich auf die Rechtsregel: is
habet jus dimittendi, qui habet jus vocandi berufen zu können
glaubten, stellten die um Entscheidung angegangenen theo-
logischen und juristischen Fakultäten übereinstimmend den
Satz entgegen: is habet jus dimittendi, qui habet jus juris-
dictionis. Auch Luther2), der anfangs theoretisch und
J) Vgl. Baud 38 dieser Zeitschrift, Kan. Abt. VII (1917) S. 283—390.
2) Vgl. Daß eine christliche Versammlung oder Gemeinde Recht
7*

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