Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

VIII

Wissenschaft und Lehre geworden ist; ihm ist es zu danken,
daß nunmehr die Leistungen der Dekretistenschule richtiger
beurteilt und gewertet, die Eigenart ihrer Methode sowie
deren Zusammenhang mit der Scholastik genügend beachtet,
und daß vor allem die rechtsbildende Arbeit der Schule in
ihrer ganzen Bedeutung erkannt und anerkannt wurde.
Ein gewissenhafter Forscher, der Quellen und Literatur
mit unermüdlicher Genauigkeit sammelt und würdigt, dabei
ein klarer Denker mit scharfem Blick und stets besonnenem
Urteil, hat Thaner in seinen dogmengeschichtlichen Unter-
suchungen und kritischen Studien ererbte „Denkfehler“ auf-
gedeckt, überlieferte Irrtümer ausgemerzt. Hierdurch hat er
sich ebenso ein bleibendes Verdienst um die Rechtswissen-
schaft erworben wie durch eine Reihe von hervorragende
Leistungen darstellenden Rezensionen1), die ihm den Anlaß
geboten hatten, Ergebnisse seines Denkens und Forschens,
welche er, unabhängig von den besprochenen literarischen
Erscheinungen, öfter schon vordem in selbständiger Geistes-
arbeit gewonnen hatte, zu verwerten und in der ihm eigenen
präzisen Fassung der Öffentlichkeit vorzulegen. Und in
einer Würdigung seiner akademischen und wissenschaft-
lichen Tätigkeit darf schließlich auch nicht unerwähnt
bleiben, daß Thaner noch vor seinem Scheiden von der Lehr-
kanzel mit großer Entschiedenheit und in wirkungsvoller
Weise jenen unheilvollen Bestrebungen entgegengetreten
ist2), die unter dem Schlagworte der „Modernisierung“ des
juristischen Studiums eine „Reform“ desselben planen,
welche unsere österreichischen Rechtsfakultäten ihrer Be-
deutung im Rahmen der Universität, als vornehmster Stätte
der Wissenschaft, entkleiden möchten, um aus diesen
Fakultäten einfach Vorbildungsanstalten für die künftige
l) In den „Göttingischen gelehrten Anzeigen“, in den „Mitteilungen
des Institutes für österreichische Geschichtsforschung“ und in der „Deut-
schen Literaturzeitung“.
a) Vgl. das durch die Klarheit und Schärfe des Ausdrucks ebenso
wie durch die Fülle der in kürzester Fassung gebotenen Gedanken und
Argumente hervorragende Votum Thaners in den „Äußerungen von Mit-
gliedern der juristischen Fakultät in Graz über die Frage der Neugestal-
tung der rechts- und staatswissenschaftlichen Studien“ (Graz 1907)
S. 7-9.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer