Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

Das c. Quia frequenter.

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gründung, soweit es sich um die Papstwahl handelt, der
Ansicht Tancreds und der (in der Folge von Bernardus
Parmensis aufgenommenen) Glossen1), während er hinsicht-
lich der anderen kirchlichen Wahlen an der Richtigkeit der
herrschenden Lehre festhält.2) Dieses inkonsequente Vor-
gehen Innocenz’ IV. fand kaum einen Verteidiger; selbst
Bernhard von Compostella vermeidet einen ausdrücklichen
Widerspruch wohl nur deshalb, weil sonst auch er (mit den
von ihm erwähnten „alii“) dem c. Quia frequenter hätte
jede Geltung ausdrücklich absprechen müssen.3) Die all-
gemeine Rechtsauffassung mißbilligte die inkonsequente
Entscheidung Innocenz’ IV.; in späteren Jahrhunderten
wurde seine Meinung öfter gar nicht mehr beachtet, sie
wird nicht einmal mehr erwähnt, und die herrschende Lehre
wird zumeist als unbestrittene Rechtsanschauung vor-
getragen.4) Als Gregor XV. in der von ihm mit der Kon-
stitution Aeterni patris filius (1621) durchgeführten Neu-
ordnung der Papstwahl jede rechtliche Möglichkeit einer
Wahl durch die eigene Stimme des gewählten Kardinals
beseitigt hatte, wurde doch in der dieses neue Recht der
Papstwahl behandelnden Literatur des 17. und 18. Jahr-
x) Vgl. den Kommentar Innocenz’ IV. beim c. Licet v. A duabus:
etiam si (es ist offenbar „se“ zu lesen — der Fehler findet sich aber nicht
nur in den beiden 8.48 N. 1 zitierten Ausgaben [fol. 41vo bzw. 18ro], sondern
auch in von mir verglichenen älteren) non computando. De hoc not.
infra eod. Cum in iure, infra eodem Cumana.
8) Vgl. die oben 8.48 N. 1 bezogenen Ausführungen Innocenz’ IV.
bei c. Cum in iure und bei c. Cumana, in denen er selbst die Ansicht der
von ihm beim c. Licet zitierten Glossen bekämpft.
3) Man vgl. die Stellen aus seinem Kommentar zum c. Licet oben
8. 20 ff.
4) Wenn Hieronymus Albani (* 1504, f 1591) in seinem Tractat
De cardinalatu, quaest. XVIII [auch in den Tractatus tractatuum t. XIII
ps. II fol. 113vo], wieder für die Gegenmeinung der Glosse (daß Inno-
cenz IV. in dieser Frage mit der Glosse übereinstimmt, scheint ihm
unbekannt zu sein) eintrat und sie als die „opinio probabilior“ hinstellte,
so war er, bei den Beziehungen, die ihn auch schon vor seiner im Jahre
1570 erfolgten Erhebung zum Kardinalate mit der Kurie verknüpften,
wohl bereits von jener Agitation beeinflußt, welche sich in manchen
Kreisen der Kurie seit dem 16. Jahrhunderte gegen die Zulässigkeit einer
durch die eigene Stimme des Gewählten entschiedenen Papstwahl geltend
gemacht hatte.

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