Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

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Literatur.

sei gleich der erste Abschnitt über die Konzilien des 15. Jahrhunderts
angezogen. Er gibt zunächst eine Übersicht über die Konziliensamm-
lungen, behandelt sodann die Konzilsgeschichtschreibung, darauf die
urkundlichen Quellen, die Publizistik und die erzählenden Quellen zur
Geschichte des Konstanzer Konzils, schließlich die neueren Sammlungen
zur Geschichte der Basler Versammlung und deren Quellen. Man sieht
sofort: der Kirchenrechtshistoriker, der sich etwa mit der Verfassung oder
mit den Reformbeschlüssen beider Konzilien befassen will, wird bei W.
manchen für seine Studien wertvollen Hinweis finden, läuft aber um
nichts weniger Gefahr, in dem bunten Vielerlei sich nicht rasch genug
orientieren zu können; gerade was er Sucht ist vielleicht an verborgener,
leicht übersehbarer Stelle angemerkt. Ganz dahingestellt mag bleiben,
ob W.s Notizen hier bibliographisch vollständig sind — wir müssen lernen,
Bibliographien gegenüber als niemals ausreifenden und immer rasch ver-
welkenden Blumen am Baume der wissenschaftlichen Literatur bescheide-
ner zu werden —, in einem anderen Abschnitt aber über die Ergebnisse
der Kirchenreform und darunter die Neuorientierung des Verhältnisses
von Staat und Kirche in den einzelnen deutschen Territorien (I S. 285ff.)
reichen die literarischen Fingerzeige bei weitem nicht aus, ähnlich wie
man bei dem Paragraphen über die Reichsstädte (I 8. 550ff.) Hinweise
auf die Rolle des Bürgertums als eines auch das Rechtsleben des Klerus
vor und während der Reformation bedingenden Faktors schmerzlich
entbehren muß. Im zweiten Band ist es doch, wenn anders wir nicht
irren, kaum angängig, die Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts allein
als Quellen zur Geschichte des religiösen Lebens zu betrachten (S. 19ff.),
während sie doch ebensosehr Dokumente von Rechtsschöpfungen sind,
die an Altes anknüpften und zugleich neuartige Beziehungen zwischen
Kirche und Territorialgewalt offenbarten. Auch der Kirchenrechtshisto-
riker wird sich der Paragraphen über die Bekenntnisschriften (S. 39ff.),
über die Ausgaben von Werken der Reformatoren (S. 172 ff. 277 ff.
298ff. 339ff.) freuen und doch immer wieder sich fragen, ob nicht die
zuweilen wortreiche Würdigung der Editionen usw. den Nachschlagenden
eher ablenkt als dem Verfasser so danken läßt, wie dessen Streben es
erhofft. Die Stoffülle selbst und die Stoffverteilung bringen es mit sich,
daß man nicht selten nur nach längerem Bemühen die gewünschte Be-
lehrung findet, wie denn bezeichnend genug jene oben erwähnte Über-
sicht über neuere Arbeiten zur Geschichte landeskirchlicher Ansätze in
den deutschen Territorien (I 8. 285ff.) erst nach einer Umschau über die
Leistungen zur Geschichte des Humanismus und der Reichsgeschichte
durch die Bibliographie von Arbeiten zur Territorialgeschichte im all-
gemeinen ergänzt und fortgesetzt wird (I 8. 481 ff.). So sind dem Nutzen
des Buches für den Historiker des kirchlichen Rechts gewisse Schranken
gezogen. Sie mußten erwähnt werden, sowenig deshalb das Bemühen des
einzelnen Mannes in ein ungünstiges Licht gerückt wird, ein weitgestecktes
Ziel mit eigener Kraft zu erreichen. Gewiß wird ein möglichst einläß-
liches Sachregister manche Risse ausgleichen helfen, wenn es gleich nicht
alle unsere Einwände wird beheben können. Sie hängen eben aufs engste

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