Volltext: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

12.11. Wolf, G., Quellenkunde der deutschen Reformationsgeschichte

Literatur.

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Gr. Wolf, Quellenkunde der deutschen Reformationsgeschichte
I. Vorreformation und Allgemeine Reformationsgeschichte.
Gotha, F. A. Perthes 1915. XIV, 582 S. — II, 1: Kirch-
liche Reformationsgeschichte. Ebenda 1916. XII, 362 S.
Es ist schwer, über das vorliegende Werk in gedrängter Kürze Be-
richt zu erstatten. Sein Titel läßt vermuten, daß es ähnlich der „Quellen-
kunde der deutschen Geschichte“ von Dahlmann-Waitz oder der
„Quellenkunde der Weltgeschichte“ von Herre rein bibliographisch die
Hinweise auf die Überlieferungen zur Geschichte der deutschen Refor-
mation und auf die einschlägige Literatur aneinanderreihe. Dem Ver-
fasser aber schwebte ein anderes Ziel vor. Auch er bucht die Quellen und
die Literatur, in jedem Abschnitt jedoch in einer solchen Anordnung,
die zugleich den Gang der Forschung über das einzelne Problem und
ihren derzeitigen Stand erkennen lassen soll. In seinem Buche verbindet
sich die sammelnde Vereinigung weitzerstreuten Materials mit der kriti-
schen Würdigung der Arbeiten, die das Zeitalter der Reformation — dieses
in seinem weitesten Ausmaße genommen —, seine Einzelerscheinungen,
seine Persönlichkeiten zum Gegenstand der Untersuchung, Erörterung
und Darstellung gemacht haben. Die Zeit der Voneformation wird be-
rücksichtigt und in ihr die allgemeinen Konzilien, die kirchliche Hier-
archie, das religiöse Leben und der Humanismus. Im zweiten Haupt-
abschnitt sodann wird die allgemeine Reformationsgeschichte behandelt,
in einzelnen Kapiteln die Geschichte des Reiches, der Territorien, der
Reichsstädte und der Reichsritterschaft. Es folgt die kirchliche Refor-
mationsgeschichte, derart daß in ihr die Quellen zur Geschichte des
religiösen Lebens, dann das Leben und die Schriften von Luther, Me-
lanchthon, Zwingli und Calvin dem Leser vorgeführt werden. Ein noch
ausstehender Halbband wird sicherlich die Geschichte des Katholizismus
im 16. Jahrhundert zu überblicken haben, keinesfalls aber auf eingehende
Sach- und Namenregister verzichten dürfen.
Wir haben W.s Leistung nicht von allgemeinen Gesichtspunkten
aus zu würdigen, nicht auch seine Stoffanordnung und Stoffverteilung
Lu beurteilen —, hier handelt es sich allein darum, ob sie dem Historiker
des kirchlichen Rechts und in diesem der kirchlichen Verfassung diejenige
Summe von Belehrung zu spenden vermag, die er vom Standorte seiner
Disziplin aus erhofft. Gewiß, einer Disziplin neben vielen gleichbefugten,
einer solchen aber, die an der Reformationsgeschichte um so mehr Anteil
nimmt, als in dieser Periode deutscher und universaler Geschichte Neues
neben das Alte trat, das Alte aber unter dem Drucke des Neuen hier sich
festigte, dort zu anderen Richtungen sich entschloß.
Unbedingt wird der Fleiß des Verfassers der Anerkennung ver-
sichert sein können: er hat ganz gewaltige Massen von Quellen usw.
wenigstens verzeichnet und gewertet. Alsbald aber erkennt man, daß ihn
das einzelne Problem nicht so sehr von der Seite her reizte, daß es in das
Gebiet des Kirchenrechts hinübergriff, denn vielmehr als Frage histori-
schen Schauens und Gestaltens überhaupt. Um dies zu vergegenwärtigen,
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXXVII. Kan. Abt. VI. 29

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