Full text: Volume (6 (1916))

Literatur.

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pitelsversammlungen, Erledigung der Dekanatsgeschäfte, Repräsentation
und Vertretung des Kapitels nach außen, sodann namentlich Überwachung
der Geistlichkeit, jedoch ohne Strafgewalt (Jurisdiktion), Einschärfung
der Diözesanstatuten und Archidiakonalmandate, Vermittelung zwischen
Bischof bzw. Archidiakon und Klerus, Berichterstattung an die Oberen,
Übersendung der Abgaben von seiten der Geistlichkeit an den Bischof
(Kollekte = jährliche Abgabe; subsidium earitativum — außerordentliche
Abgabe) und Archidiakon (synodaticum). Daran reihten sich notarielle
Befugnisse: der Dekan konnte als Führer des Dekanatssiegels alle
Rechtsgeschäfte über Kirchenvermögen seines Bezirks beurkunden, auch
allgemeine Urkunden vidimieren und nichtsiegelbare Persönlichkeiten
vertreten. Die finanziellen Befugnisse gipfelten in der jährlichen
Vereinnahmung eines bestimmten Betrages aus der Kapitelskasse für
die eigene Mühewaltung in der Höhe der Kollekte für eine Person. Der
Dekan bekam ferner von jedem neu ins Kapitel eintretenden Geistlichen
ein Geschenk und von den Testamentsvollstreckern eines verstorbenen
Geistlichen einen Gegenstand aus dessen Nachlaß“ (8. 67). An Ehren-
befugnissen endlich kam ihm die Abhaltung des Gottesdienstes (Hoch-
amt) am Kapitelstage zu.
„Der zweite Beamte des Landkapitels war der Kämmerer (§ 13).
Wie der Dekan wurde offenbar auch der Kämmerer aus den Kapitels-
geistlichen gewählt, wenn wir auch für unsere Periode keinen urkund-
lichen Nachweis haben“ (8. 69). Er hatte vornehmlich finanzielle Ge-
schäfte: Einsammlung der Jahreskollekte und des Subsidiums. Er war
sodann „bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts Verwalter des
Kapitelsvermögens; als solcher hatte er die Einnahmen und Ausgaben
zu besorgen und die Jahresrechnung zu stellen“ (8. 70). Auch gottes-
dienstliche Funktionen standen ihm zu (Vigil und Requiem am Kapitels-
tag). Für seine Mühewaltung erhielt er was der Dekan bekam.
Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts treten neben Dekan
und Kämmerer die Prokuratoren auf (§ 14). An sie gaben letztere die
Verwaltung des Kapitel Vermögens ab; sie sorgten für alles, was zum
Kapitelsgottesdienst notwendig war, legten alljährlich dem Kapitel Rech-
nung über Einnahmen und Ausgaben des Dekanats ab und hatten
die Pflicht, vom Tode eines Kapitulars die übrigen Kapitelsmitglieder zu
benachrichtigen.
Zu den Mitgliedern des Gesamtkapitels (§ 16) gehörten die resi-
dierenden Pfründeinhaber, also die wirklichen parochi, dann die ständigen
und zeitigen Vikare, ja selbst die exemten Geistlichen. „Doch konnten
allem Anschein nach nur Priester Kapitelsmitglieder werden“ (8. 77).
Sie mußten bei ihrem Eintritt ins Kapitel ein Ingreßgeld (vacantiae oder
wohl auch introitus genannt, obwohl Krieg letzteres nicht ausdrücklich
sagt) bezahlen, dazu für Dekan und Kämmerer ein Geschenk (clenodium)
geben; sie schuldeten Obedienz den Kapitels Vorständen, vor allem dem
Dekan; bei ihrem Hinscheiden wurde ein mortuarium oder, wie man es
im Würzburgischen nannte, der exitus aus ihrem Nachlaß an die Kapitels-
kasse abgegeben; verstorbenen Konkapitularen hatten sie nicht nur die

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