Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

12.7. Henrici, H., Über Schenkungen an die Kirche

Literatur.

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mit wenigen landesherrlichen Befugnissen und mit eindringender Leitungs-
gewalt gegenüber Klerus und Laienschaft, der Papst mit der Fülle seiner
plenitudo potestatis in ihren vielgestaltigen Ausstrahlungen, die das geist-
liche und laikale Element der Stadt mit dem Zentrum der katholischen
Kirche und des katholischen Glaubens verbinden, -- alles dies mußte be-
rücksichtigt und für einen Leserkreis weiter Ausdehnung zugerüstet wer-
den. Am gelungensten scheinen neben den Abschnitten über Kirche und
Stadt (S. 734ff.) die über die Klöster (S. 674ff.) und das Domkapitel
(S. 645ff.). Im Abschnitt über die Pfarrkirchen (S. 622ff.) verdienen die
Bemerkungen über die Pfründstiftungen (S. 628ff.) Beachtung, zumal
wenn man sich erinnert, daß sie in letzter Zeit mehrfach, u. a. von
A. Schnitze, allerdings mit viel stärkerer Betonung ihres Rechtscharak-
ters, behandelt wurden. Als Ganzes aber leidet dieser Abschnitt für den
Nicht-Baseler daran, daß eine Karte fehlt, die wie die kirchlichen Bezirke
innerhalb der Stadt so die Lage der kirchlichen Gebäude und Anstalten
klarmachte —, vielleicht wird sie dem ganzen Bande beigegeben werden.
Nicht vergessen seien endlich die umfangreichen Anmerkungen mit der
Unzahl ihrer Nachweise und mit ihrem Literaturverzeichnis —kurz, man
freut sich des Sonderabdrucks, der nicht zuletzt daran gemahnt, daß W.
dem ersten Bande seines Werkes bereits eine durchsichtige Schilderung
des Konzils von Basel in seinen Wirkungen auf die Stadt einfügte, neben
Konstanz die einzige deutsche Stadt nördlich der Alpen, die längere Zeit
einen Papst innerhalb ihrer Mauern wirken und seines Amtes walten sah,
war es gleich Papst Felix V., der letzte Gegenpapst in der Geschichte
des Papsttums (er residierte in Basel vom Juni 1440 bis zum November
1442 und vom August 1446 bis Januar 1447; s. II S. 727 vgl. mit Bd. I
8. 476ff.). Es wäre überaus erfreulich, bewirkte W.s Darstellung, daß
auch das Kirchenwesen etwa von Köln oder Mainz einmal in ähnlicher
Ausführlichkeit geschildert würde; vergleicht man sie mit dem ent-
sprechenden Abschnitt bei H. Boos über Worms, so ist es nicht schwer
zu sagen, welche Arbeit das größere Lob verdient.
Halle a. S. A. Werminghoff.

Hermann Henrici, Über Schenkungen an die Kirche.
Weimar, H. Böhlaus Nachfolger 1916. 62 S. 8°.
1. Am 23. Oktober 1894 hielt UlrichStutz seine berühmt gewordene
Antrittsvorlesung in Basel über die Eigenkirche als Element des mittel-
alterlich-germanischen Kirchenrechts. Er stellte damit die wissenschaft-
liche Welt mitten in das Problem hinein, wieweit das germanische Recht
imstande war, das fränkische und mittelalterliche Kirchenrecht zu beein-
flussen. Dieser Gedanke von der Germanisierung des Kirchenrechts ist dann
mit Eifer aufgenommen und weitergesponnen worden. Wir sind heute von
dessen Richtigkeit allgemein überzeugt, mag auch dem deutschen Einfluß
vom einzelnen Forscher ein engerer oder weiterer Kreis gezogen, mag man
die deutschrechtlichen Einwirkungen mehr aus dem Wesen der Grundherr-

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