Volltext: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

11.4. Über Petrus Collivaccinus von Benevent

Miszellen.

395

vor 1220 neuhergesteilte Minus und das 1265—1288 entstandene Maius.1)
Damit entfällt für uns die Notwendigkeit, im Urminus von 1138/39 einen
ungewöhnlich frühen ersten Zeugen für die Verwendung von jus patro-
natus erblicken zu müssen. Jenes Urminus wird vielmehr, ähnlich wie
z. B. die Urkunde Bischof Ulrichs I. von 1111, lediglich das Eigentum
der Kirche zu Alburch bestätigt, erst das erweiterte Minus die neue,
den Wandel der kirchenrechtlichen Anschauungen ausdrückende Be-
zeichnung „jus patronatus“ eingefügt haben, die auch die nächst jüngere
S. Nikolaer Bestätigungsurkunde Bischof Ulrichs II. von 1220 gebraucht.2)
Friedberg (Oberbayern). Johann Dorn.

[Über Petrus Collivaccinus von Renevent] findet man in der neue-
ren kirchenrechtlichen Literatur3) keine weiteren Angaben, als daß er
im Jahre 1210 im Aufträge Papst Innozenz III. aus Dekretalen seiner
zwölf ersten Pontifikatsjahre die später so genannte Compilatio tertia4)
verfaßt hat, die die „Compilatio Romana“ Bernhards d. Ä. von Com-
postella5 6) ersetzen sollte, sowie daß er zu dieser Zeit Subdiakon und
Notar des Papstes und vorher Magister in Bologna war. Diese Tatsachen
1) Harold Steinacker, Diplomatik und Landeskunde. Mitteilungen
des Instituts für österreichische Geschichtsforschung XXXII, 1911, 8. 396 f.
2) Hier die drei Stellen nebeneinander (nach von Mitis, Studien 8. 94):
1220 (echt)
in loco qui dicitur Ah
burch duas partes deci-
mationis eiusdem ecclesiq
. . . Vlricus episcopus
fundationem supradicti
cenobii . . . confirmans
ecclesiam in Alburch cum
omni utilitate et iure
quod Pataviensis ec-
clesiq episcopus ra-
tione fundi in ea ha-
buerit, ius videlicet
patronatus, fratribus
eiusdem monasterii con-
tulit.
3) Z. B. bei Joh. Friedrich von Schulte, Die Geschichte der Quellen
und Literatur des kanonischen Hechts von Gratian bis auf die Gegenwart I
(Stuttgart 1875) S. 87; Franciscus Laurin, Introductio in Corpus iuris
canonici (Friburgi B. 1889) S. Ulf.; Johannes Baptist Sägmüller,
Lehrbuch des katholischen Kirchenrechts 3 I (Freiburg i. B. 1914) 8. 177.
4) Sieh über diese meine Übersicht über die Dekretalensammlungen
aus dem 1. Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts, in dieser Zeitschrift XXXV,
Kan. Abt. IV (1914), 8. 607 f.
6) Jüngst herausgegeben von Heinrich Singer, Die Dekretalensamm-
lung des Bernardus Compostellanus antiquus [Sitzungsberichte der Kais. Aka-
demie der Wissenschaften in Wien, Philos.-Histor. KL, 171, 2, Wien 1914),
von mir besprochen an dem in der vorigen Anm. genannten Orte S. 683ff.»
bes. 602ff.

1111 (echt)
unam hovesacham in loco
qui dicitur Alburch et
duas partes decimationis
eiusdem aecclesiae cum
una houba, ipsam vero
aecclesiam Oudalri-
cus Pataviensis epi-
scopus pro concambio
sagenae . . . illuc tra-
didit

Minus (gefälscht)
in loco qui dicitur Al-
burch ecclesiam et quic-
quid iuris episcopus
Pataviensis in ea ha-
bere videbatur, gra-
tia proprietatis fun-
di, ius videlicet pa-
tronatus et duas partes
decimationis . . .

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