Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

11. Miszellen

11.1. Zur Vorgeschichte der Bezeichnung Servus servorum Dei

Miszellen.

[Zur Vorgeschichte der Bezeichnung Servus servorum Dei.] Karl
Schmitz hat in seinem Buche über die Geschichte der Devotionsformein1)
auch auf den Anteil hingewiesen, der Augustin an der Entwicklung der
seit Gregor I. von den Päpsten angenommenen Bezeichnung Servus ser-
vorum Dei zukommt. Der Bischof von Hippo kennt noch nicht die in
den päpstlichen Urkunden zu einer Art Titel gewordene, unverändert
festgehaltene Formel; seine eigenen Demutsformeln wechseln noch den
Wortlaut und weisen mancherlei Wandlungen und Schwankungen auf,
aber eins ist ihnen bei all ihrer Mannigfaltigkeit gemeinsam: sie steigern
die Formel des Apostels Paulus, die am Anfang der Reihe steht: dovlog
Xqigxov \Irjoov, dovkog fieov, „servus Iesu Christi, servus Dei“ in der
gleichen Richtung: „servus Christi servorumque Christi, servus Christi
membrorumque Christi, servus Christi et eius ecclesiae, sermis Christi et
per ipsum servus servorum ipsius, famulus Christi familiaeque eius“ u. a.
Augustin steht so in der Mitte zwischen Paulus und Gregor; es genügt
ihm nicht, sich den Knecht Gottes zu nennen, er ist der Knecht der
Knechte Gottes. Der Gedanke ist bereits derselbe wie bei Gregor, der
ihm nur den endgültigen Ausdruck gegeben hat, während Augustin da-
mit noch wechselt und keine feste Formulierung gefunden hat. Immer-
hin ist ein gewisser Unterschied auch bei dem Gedankengange vorhanden,
der die Beiden zur Führung solcher Demutstitel bewogen hat. Gregor hat
sich so nicht erst als Papst genannt, sondern schon ehe er den Römischen
Bischofstuhl bestiegen hatte; als Mönch, der sich aus Reichtum und hohen
weltlichen Ämtern in das Kloster zurückgezogen hat, will Gregor auch
in seiner Selbstbenennung der „Humilitas“ besonderen Ausdruck geben,
die nicht zum wenigsten der von ihm so verherrlichte Benedikt von Nursia
als eine der Haupttugenden des Mönches gepriesen hatte2): unter den
„servi Dei“, den Mönchen mit ihrer Demut, will er der geringste sein.
1) Karl Schmitz, Ursprung und Geschichte der Devotionsformeln bis
zu ihrer Aufnahme in die fränkische Königsurkunde (Kirchenrechtliche Ab-
handlungen, herausg. von Ulrich Stutz, Heft 81), Stuttgart 1913, S. 38ff,
109,131ff. Vgl. zur Geschichte der Demutsformeln im allgemeinen jetzt auch
Fritz Kern, Gottesgnadentum und Widerstandsrecht im früheren Mittel-
alter (Mittelalterliche Studien I 2), Leipzig 1914, 8. 92 und 304ff.
2) Sancti Benedicti Regula monachorum c. 7, ed. C. Butler (Freiburg
i. Br. 1912) 8. 28 ff.

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