Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

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Heinrich Singer,

Texte des c. Quia frequenter entlehnt ist, der (offenbar im
Dienste einer von manchen Kreisen der Kurie schon seit
längerer Zeit begünstigten Agitation, welche sich gegen die
Anerkennung der Gültigkeit einer durch die eigene Stimme
des Gewählten entschiedenen Papstwahl richtete) in Rom
schon vordem, zunächst nur in Privatarbeiten, in Umlauf
gesetzt worden war. Die Publikation der „Decretales Cle-
mentis VIII.“ ist bekanntlich überhaupt unterblieben1), und
die Strömung, welche im Sinne der bisher vorherrschenden
Rechtsanschauungen die Möglichkeit, sich in offener Wahl,
und insbesondere im Wege des Akzeß Votums, durch die
eigene Stimme die Zweidrittelmajorität zu sichern, nicht
beseitigt sehen wollte, behielt auch in der Folge an der
Kurie zunächst die Oberhand. Es ist nur dem persönlichen
Standpunkte Gregors XV. und einzelner seiner Ratgeber
aus dem Kardinalkollegium zu danken, daß bei der Reform
der Konklavegesetzgebung durch die Konstitution Aeterni
patris filius (1621), dem modernen Empfinden entsprechend,
jede rechtliche Möglichkeit einer Selbstwahl ausgeschlossen
wurde. Bei den Verhandlungen, welche dieser Neuordnung
der Papstwahl vorausgingen, scheint jedoch das c. Quia
frequenter keine Rolle mehr gespielt zu haben. Ausnahms-
weise hat sich wohl noch ein und der andere Zeitgenosse
der Reform Gregors XV. mit dieser „Dekretale“ Inno-
cenz’ IV. beschäftigt2), die allerdings damals außerhalb
x) Bei den Erwägungen, welche den Papst zu diesem Entschlüsse
bestimmten, dürfte aber das c. Quia frequenter gewiß nicht in Betracht
gekommen sein — dieses Kapitel, welches im ursprünglichen Entwürfe
des liber septimus fehlte, hätte man, wenn man es bedenklich fand, ja
einfach wieder weglassen können!
s) Die letzten Autoren, bezüglich deren ich dies festzustellen ver-
mochte, sind Joh. Hieron. Campanile (f 1626 als Bischof von Isemia,
1608—1625 Bischof von Lacedogna) in seinem „Diversorium iuris ca-
nonici“, das er im Jahre 1620 — also noch vor der Publikation der Bulle
Aeterni patris filius — zu Neapel im Drucke veröffentlichte, und Joh.
Bapt. Coccini (f* 1641 — vgl. über dens. [Dupin] Table universelle des
auteurs ecelAsiastiques t. II. . . XVIIme siede, Paris 1709, col. 1988;
Hocker, Nouv. Biographie g6n6rale. Paris 1856, t. X 945) in seinen
nur handschriftlich, im Cod. 2858 [Ms. Gesuit. 729] der Biblioteca Vittorio
Emänuele, erhaltenen „Lucubrationes historicae super electione Romani
pontificis“, welche Coccini im Jahre 1626, anläßlich der Bestätigung der

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