Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

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Justus Hashagen,

JifiJMils Motiv des Kampfes gegen die geistliche Gerichts-
barkeit besonders die Sorge für die Landeswohlfahrt mehr-
fach hervor. Schon der bergisch-kölnische Sühnevertrag von
1289 zeige mit seinen Bestimmungen gegen die geistliche Ge-
richtsbarkeit, 'daß nicht Fehdelust und Selbstsucht, sondern
sehr ernste und notwendige Sorgen um das Wohl der Unter-
tanen für den Grafen bestimmend waren’.1) Für den Aus-
\ gang des Mittelalters verweist er2) auf die Fülle von Suppli-
1 ken, die — besonders gegen die geistliche Gerichtsbarkeit —
J bei der Landesregierung eingelaufen sind. Daraus werden
Schlüsse auf die Motive der Landesherren gezogen, wie die
folgenden Bemerkungen zeigen: 'Maßgebend für die herzog-
liche Regierung . . . war immer der Gesichtspunkt . . .,
Schädigungen des sozialen Lebens, wie sie durch Bann und
Interdikt hervorgerufen wurden, zu verhindern.’ 'Der fiska-
lische Gesichtspunkt tritt . . . nirgends hervor; es findet
sich kein Beweis dafür, daß die Parteien etwa gezwungen
wurden, das weltliche Gericht anzurufen, damit dem Herzog
die Brächten nicht verloren gingen.’ 'Das Vorgehen der . . .
Regierung gegen die Ausübung der geistlichen Jurisdiktion
entsprach . . . durchaus ... den Bedürfnissen des Volkes,
dem durch die Ladung vor den geistlichen Richter . . . ein
ganz bedeutender wirtschaftlicher Schaden erwuchs, noch
ganz abgesehen von den bedenklichen Folgen von Bann und
Interdikt.’ 'Was anfänglich als eine Aufgabe und Kraft-
probe dynastischen Strebens erscheint, das wird, je mehr
das Volk zu eigener politischer Betätigung erwacht, eine
Forderung der Gesamtheit.’ Endlich heißt es allgemeiner
für das 16. Jahrhundert: 'Es ist . . . der wirtschaftliche Ge-
sichtspunkt, der . . . die ... Regierung veranlaßt . . ., den
„armen Mann“ zu schützen vor der Ausbeutung durch die
geistlichen Behörden. Diese Fürsorge für den Unbemittelten
*) Jülich-Bergische Kirchenpolitik am Ausgange des Mittelalters
und in der Reformationszeit I (1907) S. 18*. Publikationen der Gesell-
schaft für Rheinische Geschichtskunde 28.
2) Für das Folgende: 8. 56ff.*. 60*. 62*. 79* und meine Be-
sprechungen Redlichs: Westdeutsche Zeitschrift 26 (1907) S. 267f. und
Göttingische Gelehrte Anzeigen 1916 8. 6. Ähnlich II2 (1915) 8.1*. 9
Anm. 4*. 15*. 54*. I 58* ist von G. Wolf in den Mitteilungen aus der
historischen Literatur 39 (1911) 8. 70 mißverstanden worden.

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