Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

Das c. Quia frequenter.

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Pie bisher bekanntgemachten Texte des Kapitels sind,
wie wir später jiachweisen werden, nicht die einzigen, welche
auf uns gekommen sind; die „Dekretal©“ ist auch nicht nur
handschriftlich erhalten, vielmehr liegt ein (durch Weg-
lassung der Arenga) verkürzter Text derselben in einem,
allerdings ziemlich seltenen, 1569 erschienenen Druckwerke
vor. Für die Überlieferung, welche sich in der späteren
Literatur bis in die ersten Dezennien des 17. Jahrhunderts,
wenn auch spärlich, nachweisen läßt, waren Bernhard von
Compostella1) (der jüngere—Kapellan Innocenz’IV.!) und
Durantis aller Wahrscheinlichkeit nach ursprünglich die
alleinigen Gewährsmänner; den in der aus der Prager Mu-
seumshandschrift bekannten Extravagantensammlung vor-
liegenden Text scheint die Schule gar nicht beachtet zu
haben.2) Als der liber septimus redigiert wurde, beschloß
die mit dieser Arbeit beauftragte Kongregation, in den
Schlußentwurf auch das c. Quia frequenter aufzunehmen,
weil dasselbe, im Widerspruche mit der damals herrschenden
und maßgebenden Rechtsauffassung3), die Norm aufstellt,
daß die eigene Stimme des Gewählten zu seinen Gunsten
nicht entscheiden und ihm nicht die Zweidrittelmajorität
verschaffen könne. Die vermeintliche Dekretale Inno-
cenz’ IV. sollte nicht in deren ursprünglichem Wortlaute,
welcher mit dem c. Ubi periculum und den Konklave-
vorschriften unvereinbare Bestimmungen enthält, sondern
in einer geänderten Fassung Aufnahme finden, die einem
q Sein Bericht und seine Angaben waren für die Schule vor allem
maßgebend; leider fehlt aber in sämtlichen mir zugänglichen Hand-
schriften seines nur die neun ersten Dekretalentitel behandelnden Kom-
mentars der Anfang des c. Quia frequenter, welchen Bernhard offenbar
aufnehmen wollte und der vermutlich in den von Bernhards jüngeren
Zeitgenossen benutzten Handschriften auch noch enthalten war.
2) Diese Sammlung, welche, wenn nicht erst zur Zeit Bonifaz’ VJII.»
so doch jedenfalls nicht vor Gregors X. Tode angelegt wurde, dürfte auch
kaum größere Verbreitung erlangt haben.
3) Welche überhaupt bei allen kirchlichen Wahlen, die nicht im
Sinne des c, 42 X de elect. [1,6] im Wege geheimer Abstimmung zu
erfolgen haben, es grundsätzlich für zulässig betrachtet, daß ein bnreki»
von anderer Seite Gewählter sich auch selbst die Stimme gebe» und
deshalb insbesondere auch bei der Papstwahl jedem Kardinal das Akzeß-
Votum zu seinen Gunsten freistellte.

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