Full text: Volume (6 (1916))

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Heinrich Singer,

diese Annahme m. E. auch schon mit dem Ergebnisse der
kritischen Prüfung des Prager Manuskriptes im Wider-
spruche steht — das Kapitel dem Papste Alexander IV. bei.
Gegen die „Dekretale“ selbst, auf deren Inhalt Schulte
nicht weiter eingeht, erhebt er nicht nur kein Bedenken:
er glaubte vielmehr behaupten zu dürfen, daß sie zu den
im liber sextus nicht aufgenommenen Extravaganten ge-
höre, welchen Bonifaz VIII. die Geltung reservierte. Diese
Behauptung, der zu liebe er eine Korrektur im Wortlaute
des c. 3 de elect. in VIt0 (I, 6) vornehmen möchte1), ist aber
offenbar gänzlich vergriffen: wenn Bonifaz VIII. (so wie
vordem Gregor X.) in der Konstitution Ubi periculum die
am Wahlorte anwesenden Wähler verpflichtet, die abwesen-
den Kardinale durch zehn Tage zu erwarten, so konnte er
doch unmöglich einer „Dekretale“ die Geltung reservieren,
welche vorschreibt, daß „defuncto s. Rom. sedis antistite
ac eius corpore tradito sepulture“ die anwesenden („qui in
eodem loco fuerint“) Kardinäle „nullis absentibus fra-
tribus expectatis“ die Wahl des neuen Papstes vor-
nehmen sollen!2)
Verarbeitung außerhalb des liber VI. und im lib. VI. (Sitzungsber. d.
philosoph.-histor. KJ. d. Kaiser! Akademie d. Wiss. Bd. 55), S. 730 unter
n. VIII.
*) A. a. 0. 8. 730 N. 9: „Darauf nimmt das c. 3 de elect. in 6.
Rücksicht und reserviert sie“ (d. i. die Dekretale Quia frequenter). „Der
Text dieses Kapitels nennt freilich in der Ausgabe Alexander III. und
auch die Glosse weist auf c. 6 X. de elect. hin. Da es aber überflüssig
war, eine Dekretale, die in der Gregorianischen Sammlung steht, zu
reservieren, so ist offenbar die Lesart TV.' richtig.“ Man beachte jedoch
nur den Wortlaut des Textes, welcher ganz unzweideutig auf die Dekretale* *
Licet de vitanda Bezug nimmt (Ideoque omnia, quae pro vitanda dis-
cordia in electione Romani pontificis .... praecipue a fel. record. Alexan-
dro papa III. salubriter instituta, omnino immota in sua firmitate manere
censentes. . . .)!
Friedberg (Corpus iur. canon, t. II [1881] coi. 945. 946 adn. c)
lehnt bei c. 3 de elect* in VIto (I, 6) die von Schulte als richtig erklärte
Lesart zwar ausdrücklich ab, teilt jedoch den Text des c. Quia fre-
quenter nach dem bei Schulte vorliegenden Abdrucke in der zitierten
Anm. c seiner Ausgabe vollständig mit.
a) Auf 8. 795. 796 (§ 10) der von uns zitierten Abhandlung und,
damit übereinstimmend, in seiner Geschichte der Quellen und Literatur
des kanon. Rechts, Bd. II 8.41, verzeichnet Schulte die im Liber sextus

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