Full text: Volume (6 (1916))

Das c. Quia frequenter.

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ständnisse Panvinis oder seiner unbekannten, für uns nicht
kontrollierbaren Gewährsmänner ihre Entstehung verdan-
ken, und sein Zeitgenosse Angelo Massarelli kann wohl
nicht mit Grund als Zeuge für die Existenz dieses Papst-
wahlgesetzes angeführt werden, da dieses vermeintliche
Zeugnis offenbar nur auf einen Fehler oder auf eine irrtüm-
liche Konjektur der Zwischenhände zurückgeht, die uns
Massarellis Text überliefert haben.1) Zudem handelt es
sich, wie ich durch ein Beispiel belegen kann, bei solchen
unrichtigen Angaben nicht immer um Irrtümer, welche wir
der Überlieferung zur Last legen dürfen: Petrus Johannis
Olivi zitiert in seiner Quaestio de renuntiatione papae2)
das c. Licet de vitanda als ein Wahlgesetz Innocenz’III.,
und die Wiederholung dieser in den erhaltenen Handschriften
übereinstimmenden Angabe3) läßt es unzweifelhaft erschei-
8. 265 N. 3; Langen, Geschichte der römischen Kirche von Gregor VII.
his Innocenz III. S. 358 N. 3; Grauert im Histor. Jahrbuch der Görres-
Gesellschaft I 8. 595—600; Sägmüller in der Tübinger Theologischen
Quartalschrift LXXXIV 8. 364 ff.
x) Bei Ang. Massarelli (De modis seu formis per diversa tempora
observatis in electione pontificum maximorum. . . usque ad Iulium III.,
bei Mai, Spicii. Rom. IX, 527) ist tatsächlich nur von dem Gesetze Ni-
kolaus’ II, die Rede, welches für alle Papstwahlen bis auf Alexander III.
maßgebend gewesen; der Name Innocenz II. ist a. a. O. nur durch einen
Fehler in den Text Massarellis eingeschoben, entweder schon vom
ersten Schreiber, der nachMai’s eigener Mitteilung einen sehr schlechten
Text bietet, oder — wie man nach einer beigefügten Bemerkung Mai’s
vermuten möchte — von letzterem selbst, den die Angaben Panvinis
zu einer irrtümlichen Konjektur im Texte Massarellis verleiteten; vgl.
hierzu die erschöpfenden Ausführungen Sägmüllers a. a. 0. S. 371. 372 ff.
2) Über diese Schrift Olivis s. m. Ehrle im Archiv für Literatur-
und Kirchengeschichte des M. A. III 500. 525ff.; Seppelt, Studien
zum Pontifikat... Coelestins V. (Abhandlungen zur mittleren und neueren
Geschichte, Heft 27) S. 23—37. Ich habe schon vor längerer Zeit den
vollständigen Text dieser Quaestio Olivis sowie seiner Quaestio über
die unfehlbare päpstliche Lehrautorität aus der Handschrift CI. IIL
N. LXXVII der Markusbibliothek in Venedig kopiert und die Abschrift
im Jahre 1903 in Rom mit dem Texte des Cod. Vatican. 4986 verglichen;
auf diese beiden Arbeiten Olivis möchte ich noch in anderem Zusammen-
hänge zurückkommen.
3) „Postmodum vero Innocentius tertius statuit, quod nullus esset
papa“ (dieses Wort fehlt aus Versehen im Cod. 8. Marci), „nisi a duabus
partibus cardinalium esset electus, prout habetur extra de electiones

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