Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

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Emil Ott,

seinen Anfängen bis zu dem plötzlichen Abschlüsse zu Beginn
des 15. Jahrhunderts in allen Einzelheiten zu verfolgen,
sondern nur einen Beitrag zu dem wechselnden Bilde zu
liefern, welches das Ringen der Geister in diesem Lande seit
alters her bietet.

I.
Entwicklung des kirchlichen Organismus und Kampf
um die Unabhängigkeit der kirchlichen Macht.
Soll eine richtige Anschauung davon gewonnen werden,
in welcher Weise das kanonische Recht Verbreitung gefunden
hat, so bedarf es vor allem einer gedrängten Skizze der.
Entwicklung der kirchlichen Organisation, sowie der Regelung
des Verhältnisses zwischen kirchlicher und staatlicher Macht
in den in Betracht gezogenen Territorien.
Die kirchliche Verfassung und Disziplin in Böhmen und
Mähren hat infolge der erst im neunten Jahrhunderte ein-
getretenen Bekehrung dieser Länder zum Christentum in
weit späterer Zeit als in anderen Ländergebieten diesseits der
Alpen Wurzel gefaßt und in Mähren, kaum zur Entfaltung
gelangt, durch die Einfälle der Ungarn argen Schaden ge-
litten.1) Für lange Zeit behielt der Einfluß des Laienelements
in der Kirchenverwaltung das Übergewicht und herrschte das
System der Eigenkirche, ähnlich wie in dem benachbarten
Bai ein vor seiner Teilung in vier Bistümer (739). Fast zwei-
undeinhalb Jahrhunderte später wurden die ersten Grund-
lagen der kirchlichen Organisation in Böhmen von dem
Landesfürsten gelegt. Auf Bitten Boleslaus’ II. hat der
Metropolit der Mutterdiözese von Regensburg, St. Wolfgang2),
Für die Jahre 905—908 vgl. Codex diplomaticus et epistolaris
Moraviae (ferner zitiert: cod. D. M.) I Nr. 100: loca illa sacra, ubi coepit
christianitas, per Ungaros tum paganos devastata jacere ... et eccle-
sias .. omnes ad unam spoliatas et profanatas existere. (Ex fragmento
vetustissimi Cod. eccl. Olom.) — 2) Vita St. Wolfgangi apud Pertz,
Monumenta German. 88. VI 538: sed quod Bohemia provincia sub Ratis-
bonensis ecclesiae parochia exstitit, peregi non potuit, nisi ipsius an-
tistitis (St. Wolfgangi) praesidio. Unde rex (Boleslaus II) legatione
missa ad episcopum petiit, ut ... in Bohemia sibi liceret episcopatum
efficere. Tunc vir Dei nimium laetatus . . . consensurum se Caesari
remandavit.

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