Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

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Emil Ott,

außerdem in Padua, Bologna, Montpellier und Prag
studierte.1)
In Bologna lagen den Studien zumeist ältere Männer ob,
welche bereits eine Lebensstellung erreicht hatten und sich
nach dem Verbilde der Zünfte zum gegenseitigen Schutze
ihrer Freiheit und zu wechselseitiger Unterstützung derart
in Landsmannschaften zusammenfanden, daß sich eine der
Zahl nach weniger Angehörige zählende Gruppe der ihr
näherstehenden anschloß und die ganze Vereinigung sodann
nach der an Kopfzahl stärksten Nation ihren Namen erhielt.
Im Jahre 1265 gliederten sich die Ultramontani, d. h. die
Angehörigen aller außeritalienischen Volksstämme in dreizehn,
später in achtzehn Nationen.2)
Schon im XII. Jahrhundert war der Ruhm der Hoch-
schule zu Bologna nach Böhmen gedrungen, denn der Kano-
nikus Vinzentius spricht in seiner Chronik von den Bono-
nienses cum suis legistis et sapientibus und von der Stadt
Bononia cum suis sapientibus.3)
I)ic Angehörigen Böhmens und Mährens bildeten an der
genannten Hochschule bereits 1310 eine der ultramontanen
Nationen. In den ältesten Statuten der universitas scholarium
juristarum Bononiensium, welche Joannes Andreae zum Ver-
fasser haben und den Niederschlag des Gewohnheitsrechtes
wiedergeben, wird in der von der Rektorwähl der Ultra-
montani und Citramontani handelnden Rubrik V eines alt-
hergebrachten Gebrauchs betreffs des Wechsels im Rektorate
nach den einzelnen nationes Erwähnung getan und hervor-
gehoben, daß ein Angehöriger Böhmens 1315 —16 Rektor
der Ultramontani war und künftighin der Rektor jedes
21. Jahr von der natio Boemorum gewählt werden soll.4)
Da der natio Teutonicorum jedes fünfte Jahr die Wahl des
Rektors aus ihrer Mitte zustand, ergibt sich hieraus, daß die
Angehörigen der deutschen Länder in Bologna viermal so
stark vertreten waren als die Landessöhne Böhmens und
Ood. epist. J. de Jenstein im Archiv für Kunde österr.
Gescb. LV 8. 274. — 2) Denifle, Gesch. der Univ. im 51.A. I 8. 139ff.,
156 A.380 und derselbe im Archiv für Lit. und Kirchengesch.III. Band
8. 210ff. — 3) Obren. Vincentii F.R.B. II 438. 445, 459. — 4) Denifle
im Arch. für Lit. und Kirchengesch. III 8. 196, 259.

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