Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

Literatur.

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Stuhles erforderlich gewesen, damit der Feldpropst diese Funktionen
kirchenrechtlich gültig ausüben könne. Denn der Apostolische Stuhl
habe dem jeweiligen katholischen Feldpropst in Berlin nur die Juris-
diktion über das preußische Landheer und die preußische Marine
übertragen; die Soldaten der deutschen Kriegsmarine und der Schutz-
truppen in den Schutzgebieten des Deutschen Reiches seien aber keine
preußischen Truppen. Jedes Hinübergreifen in einen fremden Sprengel
unterliege aber, wenn auch noch so gut gemeint, schweren Kirchen-
strafen und habe die Rechtswidrigkeit bzw. Rechtsungültigkeit der
dort von dem Kirchenobern und von den beauftragten Geistlichen vor-
genommenen Amtshandlungen im Gefolge, letzteres auch dann, wenn
das Handeln in Rechtsunkenntnis geschehe. — Diese Ausführungen
Freisens sind geeignet, in den beteiligten Kreisen die größte Beun-
ruhigung hervorzurufen. Aber sie sind unzutreffend. Allerdings wird
durch das päpstliche Breve vom 22. Mai 186S dem Feldpropst die
Jurisdiktion über alle übertragen, „qui sub Borussiae vexillis militant
terra marique ubicumque gentium fuerint atque in omnes et singulos
fideles, qui ad Borussiae exercitum secundum leges pertineant*. Daß
Freisen sich hier zu sehr an das Wort Borussiae hält, daß jedenfalls
heute seine Interpretation nicht das Richtige trifft, zeigt ein Blick
in das Nominationsdekret, das dem Feldpropst Dr. Vollmar am
11. Januar 1904 ausgestellt worden ist. Dieses Dekret spricht von
einem Einvernehmen cum Serenissimo Borussiae Rege et Germaniae
Imperatore Guilelmo II. und bestellt den Feldpropst als „Vicarium
Castrensem sive Cappellanum Maiorem Catholicorum omnium, qui in
terrestribus Borussiae maritimisque regni Germanici copiis stipendia
faciunt ceterorumque fidelium, qui ad Borussiae exercitum pertinent se-
cundum legem“. Für die Angehörigen der Marine liegt also die Sache
ganz klar, und auch in Ansehung der Schutztruppen wird man die
Behauptungen Freisens abzulehnen haben. —
Obwohl ich, wie schon aus diesen wenigen kritischen Bemerkungen
hervorgeht, mit vielen Meinungen Freisens nicht einverstanden bin,
wenngleich Freisen bei weitem nicht alles gedruckte und ungedruckte
erreichbare Material verwertet hat, bin ich doch weit entfernt, mich
über sein Werk nicht zu freuen. Eine auch nur einigermaßen voll-
kommene Leistung auf diesem frisch angebauten Boden wird in abseh-
barer Zeit nicht geliefert werden können. Am Militärkirchenrecht,
einem der interessantesten und vielleicht in Zukunft festesten Stücke
Staatskirchenrechts, wird noch reichliche und lohnende Arbeit zu tun
sein. Freisen gebührt das Verdienst, die erste zusammenfassende Dar-
stellung des deutschen Militärkirchenrechts geschrieben zu haben. •
Greifswald. Heinrich Pohl.

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