Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

13.32. Vogel, Paul, Beiträge zur Geschichte des Kölner Kirchenstreites

Literatur.

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Paul Vogel, Pr. phil., Beiträge zur Geschichte des Kölner
Kirchenstreites. Heft 5 der Studien zur rheinischen Ge-
schichte, hgg. von Pr. jur. Albert Ahn. Bonn, A. Marcus
und E. Webers Verlag (Pr. Albert Ahn) 1913. XIV, 125 S.
Auf Grund sorgfältiger und umfassender archivalischer Forschungen,
unter Berücksichtigung eines ansehnlichen Flugschriftenmaterials und
einer außerordentlich reichhaltigen Literatur gibt uns der Verfasser
dieser gewandt geschriebenen Abhandlung beachtenswerte Aufschlüsse
über den Kölner Kirchenstreit und seine Beurteilung durch die Öffent-
lichkeit. Das erste Kapitel enthält eine kurze, abgeklärte Skizze der
Vorgeschichte und des äußeren Verlaufs des Streites und stellt als sein
Ergebnis fest, daß in der Personenfrage der Staat, in der Sache aber
Rom gesiegt hatte. „Sicherlich war die Kirche im Recht, wenn sie
sich bei der Erteilung ihres Segens, bei der Ausübung der Kirchen-
zucht, bei der Erziehung ihres Klerus vom Staate nichts vorschreiben
lassen wollte, wenn sie bei der Einsegnung der von ihr im Prinzip
verabscheuten Mischehen wenigstens die Garantie eines Zuwachses ver-
langte. Aber der Staat war nicht minder im Recht, wenn er seine
Bürger vor Gewissensbeunruhigungen zu schützen suchte, wenn er mit
Rücksicht auf die Parität in der Mischehenfrage keinen steten, ein-
seitigen Zuwachs der katholischen Kirche auf Kosten der evangelischen
duldete, wenn er im Interesse der Gesamtheit bei den angehenden
Geistlichen auf eine gründliche wissenschaftliche Bildung sah, wenn
er in seiner Universität auf seinem Hausrecht bestand, wenn er von
dem Klerus unbedingten Gehorsam gegen die Landesgesetze verlangte“
(8. 41, 42). Das 2. Kapitel untersucht die Stellungnahme der Öffent-
lichkeit zu dem Konflikt zwischen Staat und Kirche an der Hand der
Flugschriften und der Presse. Zunächst kommen außerhalb der Rhein-
lande lautgewordene Stimmen zu Wort, sodann wird die Stellung der
größeren Öffentlichkeit am Khein — insbesondere der breiteren Masse,
der rheinischen Geistlichkeit, des rheinischen Beamtentums, endlich
des rheinischen Adels — des näheren geprüft und entwickelt. Schließ-
lich entrollt der Verfasser ein anschauliches Bild der Verhandlungen
des Provinziallandtages in der „erzbischöflichen Angelegenheit“. Die
fleißige, gründliche und objektiv-wissenschaftliche Abhandlung bietet
einen dankenswerten Beitrag für eine spätere Gesamtdarstellung des
„ersten preußischen Kulturkampfes“.
Posen.

Friedrich Giese.

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