Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

13.10. Chiapelli, Luigi, Ricerche di storia letteraria del diritto. I. II ms. Laurenziano Ashburnham 1798

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Literatur.

Luigi Chi appelli, Ricerche di storia letteraria dei diritto I.
II ms. Laurenziano Ashburnham 1798. 39 p. (Estratto
dall’Archivio Storico Italiano. Dispensa 4a del 1912).
Der gegenwärtig in Florenz wohnende Verfasser gibt auf Grund
sorgfältigster Untersuchung einen genauen und eingehenden Bericht über
den Inhalt einer in der dortigen Laurenzianischen Bibliothek befind-
lichen Handschrift, die für die juristische Literaturgeschichte Deutsch-
lands von solcher Wichtigkeit ist, daß sie auch bei uns nicht unbe-
kannt bleiben darf. Sie gehört zu denjenigen, welche die italienische
Regierung 1884 aus der Bibliothek des Earl von Ashburnham erworben
hat, und sie ist daher als ms. Ashburnham 1798 bezeichnet. Sie zählt
304 Papierblätter von 30 X 20 cm mit alter Numerierung und ist zu-
sammengesetzt aus einer Reihe von Heften gleichen Formates, deren
regelmäßig durchlaufende, nur ausnahmsweise zweispaltige Schrift
überall dem Anfänge des 15. Jahrhunderts angehört und fast aus-
nahmslos von deutschen Händen herrührt. Auch die Verfasser der in
der Handschrift enthaltenen Stücke waren vielfach Deutsche. Dem-
nach war sie wohl zum Gebrauche in Deutschland bestimmt, und dafür
spricht noch der Umstand, daß sie nach einem Vermerke an der Spitze der
ersten Seite ursprünglich der Kirche des H. Leodegard in Luzern gehörte.
Bestätigend tritt hinzu, daß jene Stücke sich fast sämtlich auf das
kanonische Recht beziehen; denn in Deutschland und an den deut-
schen Universitäten wurde bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts ganz
überwiegend das kanonische Recht gelehrt und das römische im
Grunde nur als Hilfswissenschaft für das Verständnis des kanonischen
berücksichtigt. Die Rechtswissenschaft in Deutschland am Anfänge
dieses Jahrhunderts hatte also gleich der Handschrift einen fast aus-
schließlich kanonistischen Charakter.
Die im ersten Teil der Handschrift (F. 1—229) auftretenden, von
Chiappelli mit Nr. 1—29 bezeichneten Stücke sind fast alle in Bologna
geschrieben und mit wenigen Ausnahmen vermutlich auch in Bologna
verlaßt. Das erklärt sich daraus, daß die dortige berühmte Rechts-
schule am Anfänge des 15. Jahrhunderts auch zum Studium des kano-
nischen Rechtes, dessen Lehre und Bearbeitung dort seit Johannes
Andrea (ca. 1270—1348) einen neuen Aufschwung genommen hatte, von
Deutschen stark besucht wurde. Viele von diesen deutschen Scholaren
Fast will es freilich scheinen, als werde — ähnlich wie vor ein paar
Jahren die Geschichte der Domkapitel — nun die Wirtschaftsgeschichte je
eines Klosters Gegenstand je einer Monographie zumal aus der Feder eines
Doktoranden, so daß wir bei der Zahl der Klöster auf deutschem Boden
um den Mangel an Themen für Erstlingsschriften nicht besorgt zu sein
brauchen, zumal wenn jede mit ängstlicher Behutsamkeit nur ein Kloster
und selbst das unbedeutendste im Auge behält; vgl. z. B. den Aufsatz von
A. Stiewe „Zur A\irtschafts- und Verfassungsgeschichte des Klosters Wille-
badessen“ (in der Diözese Paderborn): Studien und Mitteilungen zur Ge-
schichte des Benediktinerordens und seiner Zweige NF. III (1913), 8. 451 ff.
A.W.

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