Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

13.9. Pauen, H., Die Klostergrundherrschaft Heisterbach

Literatur.

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man nur in der Form einer Tabelle einen Überblick über das Itinerar
und die Amtshandlungen der Legaten auf Grund des vollständig ge-
sammelten Materials geben würde, so würde man damit sowohl der
Kirchen- und politischen Geschichte als auch der kanonistischen
Forschung mehr dienen als mit dieser vorläufigen Liste, so dankenswert
sie gleich trotz ihrer Unvollständigkeit für die weitere Forschung ist.
Man sage nicht, daß man damit allzusehr ins Detail geriete. Diese
Gefahr läßt sich bei zweckmäßiger Anordnung vermeiden. Viel größer
ist die Gefahr, daß eine vorwiegend kanonistische Behandlung den
historischen Tatsachen nicht gerecht wird. Wer als Historiker die
Schrift von Rueß liest, wird sich des Eindrucks nicht erwehren können,
daß hier das Bestreben, die rechtliche Doktrin durch die geschichtlichen
Tatsachen zu beweisen, mehr als einmal die richtige historische Würdigung
dieser Tatsachen verhindert hat. Denn der Historiker wird schwerlich da-
mit einverstanden sein, wenn der Verfasser in seiner geschichtlichen Be-
trachtung des Legationswesens die Bemerkung macht, daß „schon die
drei Männer Claudius Ephebus, Valerius Biton und Fortunatus, welche
Clemens I. nach Korinth sandte (Clemensbrief LXIV), mehr als bloße
Briefträger waren“ (8. 2f.). Und daß „die päpstlichen Legaten vom 9.
Jahrhundert ab auf sämtlichen Partikularsynoden des Abendlandes, auf
denen solche anwesend waren, den Vorsitz führten“ (S. 20), ist eben-
falls ein Irrtum, der lediglich durch den Verzicht auf eine kritische
Untersuchung der einzelnen historischen Belege verursacht worden ist
(vgl. Otto Engelmann, Die päpstlichen Legaten in Deutschland bis
zur Mitte des 11. Jahrhunderts, Diss. Marburg 1913, 8. 114).
Deshalb wird man doch wohl, ohne den Nutzen dieser beiden
hier angezeigten Arbeiten, und namentlich der Zimmermannschen Schrift,
für die weitere Forschung zu verkennen, fordern dürfen, daß künftige
Untersuchungen zur Geschichte des päpstlichen Legatenwesens die
Quellen vollständiger heranziehen und kritischer behandeln; denn dar-
an sind kanonistisches und historisches Erkennen in gleicher Weise
interessiert.
Königsberg i. Pr. A. Brackmann.

H. Pau en, Die Klostcrgnindliorrschaft Heisterbach (a. u. d.T.:
Beiträge zur Geschichte des alten Mönchtums und des Bene-
diktinerordens, herausgegeben von P. Ildefons Herwegen,
Heft 4). Münster, Aschendorff 1913. XII, 219 8. mit
3 Karten.
Die aus einer Freiburger Dissertation hervorgegangene umfang-
reiche Untersuchung Pauens über die Grundherrschaft Heisterbach be-
handelt erstmals im Zusammenhang die Wirtschaftsgeschichte eines
Zisterzienserklosters. Als solches trat Heisterbach, das 1189 vom Kölner

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