Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

Literatur.

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vorausgesetzten Abfalls von Gott, bestraft hat. Er weist nach, daß*
durch das ganze Mittelalter hindurch sich diese Anschauung erhielt,
und daß Zauberei, wenn sie auch in der Theorie und Gesetzgebung*
(Dekretalen Gregors IX., Liber Sextus mit ihren Kommentaren) zeitweilig
von der Ketzerei getrennt war, in der Praxis immer wieder mit dieser
vermengt wurde. Dazu sei übrigens noch ergänzend bemerkt, daß auch
der Theorie des 12. Jahrhunderts diese Vorstellung gar nicht so fremd
gewesen zu sein scheint. Wenigstens leitet Rufinus seine Erläuterungen
zur C. XXVI, die einen Fall von sortilegium behandelt, ein mit den
Worten: Postquam interposuit necessarium tractatum de privilegiis eccle-
siarum, redit agere de hereticis: sortilegium enim et auguratio similisque
superstitio, de quibus hic agitur, heresis species sunt in eis utique, qui
fidem Christi receperunt (H. Singer, Die Summa decretorum des Ma-
gister Rutinus 1902, S. 423). — Was die weitere Behauptung des Ver-
fassers anbelangt, so hätte er ebenfalls bei Hansen 8. 239f. eine
Reihe von Beispielen finden können, für die die Verbindung von Zau-
berei mit den Ketzereien des 11. und 12. Jahrhunderts nachgewiesen und
innerlich zu begründen versucht wird. Dazu vergleiche man schließlich
noch des Verfassers eigene Angaben über eine angebliche Vermengung
von Zauberei und Ketzerei in Deutschland, die um das Jahr 1160 be-
richtet wird (S. 59).
In einem zweiten Kapitel gruppiert Theloe die Fälle von Ketzer-
verfolgung nach Landschaften. Km erster Abschnitt führt uns nach
Mittel- und Nordfrankreich, Burgund, nach den Niederlanden und
England. Dieser Gruppe schließt sich Deutschland an. Als dritter
Kreis kommt Südfrankreich und Spanien und an vierter Stelle Italien
zur Besprechung.
Eine derartige Einteilung erleichtert nicht nur die Übersicht,
sondern erscheint auch innerlich gerechtfertigt, weil die Behandlung
der Ketzer nach Landschaften außerordentlich verschieden ist. Am
schlimmsten ergeht es ihnen im Norden Frankreichs und in Deutsch-
land; daher stammen auch die oben erwähnten Verfolgungen des
11. Jahrhunderts. Der Verfasser glaubt, die Ketzerverbrennung des
Jahres 1022, von der er im ersten Kapitel ausführlich berichtet hat,
sei als Präzedenzfall anzusehen, im Anschluß an den sich ein Gewohn-
heitsrecht der Ketzerverbrennung gebildet habe. Der Beweis für diese
Behauptung scheint uns jedoch nicht erbracht zu sein. Sollte nicht die
Wahl des Feuertodes in Orleans selbst auf älteres Gewohnheitsrecht
zurückgehen? Es dürfte kaum ein Zufall genannt werden, daß in
Orleans, wo die Strafe auf Geheiß des Königs verhängt wird, der „con-
sensus universae plebisu von den Quellen besonders hervorgehoben wird.
Nach dem fränkischen und einigen andern Rechten war nämlich der
Tod auf dem Scheiterhaufen die Strafe für Zauberer, Giftmischer usw.r
und auch die Lynchjustiz war den fränkischen Rechten nicht unbekannt
(vgl. Hansen S. 56ff., 221 f,). Der Verfasser hätte doch diesen Fragen
einmal nachgehen und zusehen sollen, ob sich nicht genauere Belege
für einen Zusammenhang finden, denn es ist immerhin höchst auffällig,

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