Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

Literatur.

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in der neuen Ausgabe von Levison in MG. Script, rer. Merov. VI, 140
bis 162 und die Notitia Arnonis bei Hauthaler a. a. 0. 4ff.). Auf Grund
der herzoglichen Schenkung galt das von Rupertus gegründete
Kloster von Anfang an als freies Kloster im Gegensatz zu den herzog-
lichen Eigenklöstern, und als es bei der Bistumsorganisation im Jahre
739 zur bischöflichen Kirche erhoben wurde, war es infolgedessen ein
freies Bistum. Ähnlich wie in Salzburg liegen die Dinge in Freising,
über dessen Gründungsgeschichte wir allerdings nicht so gut unterrichtet
sind (vgl. die neue Ausgabe der Vita Corbiniani von Krusch in MG.
1. c. VI, 497—640): das dortige Bischofskloster an der Marienkirche galt
nie als herzogliches Eigenkloster, sondern war ebenso selbständig wie
jene zu Regensburg und Fassau, von deren Kirchen es aber sehr frag-
lich ist, ob sie irgendwie in die römische Zeit zurückreichen. Auch
die bereits erwähnte Bestimmung der Lex Baiuwariorum zeigt, daß die
bayerischen Bistümer nicht anders behandelt wurden wie die alten
merowingischen: die Besetzung erfolgte durch Wahl mit Bestätigung
ev. Einsetzung durch den König. Tatsächlich ist auch für Freising
schon vor dem Wahlprivileg von 906 eine Bischofswahl (im Jahre 854)
bezeugt. Es kommt m. E. bei allen sogenannten Gründungsbistümern
darauf an, im einzelnen zu untersuchen, ob sie nach römischem oder
deutschem Recht, als freie Bistümer oder als Eigenkirchen gegründet
wurden, und in letzterem Falle wieder, ob sie nur des Wahlrechts ent-
behrten oder auch noch in anderer Beziehung unter dem Eigenkirchen-
recht standen. Hinsichtlich der sogenannten alten Bistümer ist W.s
These richtig: sie besaßen das Wahlrecht, weil sie nach römischem
Recht gegründet waren, und bedurften deshalb keines Wahlprivilegs.
In einer anderen Beziehung waren alle Bistümer gleichgestellt: der
deutsche König besaß an allen Bistümern des Reichs das Einsetzungs-
recht, das in der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts unter dem Einflüsse des
Eigenkirchenrechtes zum Investiturrecht wurde. Das in der Investitur
zum Ausdruck kommende Ebergreifen des Eigenkirchengedankens
auf die nach römischem Recht gegründeten Bistümer mußte aber
notwendig dazu führen, daß der Unterschied zwischen beiden Gruppen
mehr und mehr verwischt wurde, und in der Tat war das auch,
wie W. konstatiert, zu Beginn des 11. Jahrhunderts geschehen: Hein-
rich 11. hat an allen Bistümern die freie, kanonische Wahl beseitigt
und für sich ein Vorschlagsrecht in Anspruch genommen; wegen der
bestehenden kanonischen Vorschriften legte er aber Wert darauf,
daß der Vorgeschlagene auch in aller Form gewählt wurde, und
diese Schein wähl hat er auch für jene Gründungsbistümer vor-
nehmen lassen, die kein Wahlprivileg besaßen. So lag für alle Bis-
tümer des Reiches die Bezeichnung der Person und in der darauf-
folgenden Investitur auch die Übertragung des Amtes in der Hand
des Königs. Unter Konrad II. und Heinrich HI. scheint es nicht viel
anders gewesen zu sein, wenn sich auch vereinzelt (z. B. in Toul 1026
und 1051) selbständige Wahlen nachweisen lassen, die die kaiserliche
Bestätigung erhielten. Auf Grund dieser Verhältnisse glaubt W. kon-

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