Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

13.4. Weise, Georg, Königtum und Bischofswahl im fränkischen und deutschen Reich vor dem Investiturstreit

Literatur.

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herausgegebeu von H. Hefele 1913 8. 36, 46, 229). Die Roheit der
Naturanlage hat eben schon so oft, seitdem die Liebe und Güte vom
erhabensten Munde erstmals gepredigt wurde, das christliche Fühlen und
Denken erstickt.
Bamberg. A. M. Koeniger.

Georg Weise, Königtum und Bischofswahl im fränkischen
und deutschen Reich vor dem Investiturstreit. Berlin, Weid-
mann 1912. IV, 148 S.
Jede Untersuchung über den Einfluß des Königtums auf die
Bischofswahlen in der Zeit vor dem Investiturstreit muß davon aus-
gehen, daß die Übertragung eines Kirchenamtes in der Regel in drei
Akten erfolgt, die zwar zum Teil zusammenfallen können, aber wegen
ihrer verschiedenen rechtlichen Bedeutung genau auseinandergehalten
werden müssen: die Bezeichnung der Person, der das Amt übertragen
werden soll, die eigentliche Übertragung des Amtes und die Einweisung
in den Besitz des Amtes. Mag auch die Fixierung-der drei Begriffe und
die genaue Abgrenzung der Wirkungen jedes einzelnen Aktes zum Teil
erst später erfolgt sein, der Sache nach war die Unterscheidung von
Anfang an da, wie sich gerade bei der Besetzung der Bistümer deutlich
erkennen läßt. Handelt es sich nun darum, den Einfluß des Königtums
in letztgenannter Hinsicht festzustellen, so ist die erste Frage: welche
Rechte hat das Königtum bei Bezeichnung der Person und welche
Bedeutung kommt neben den Rechten des Königs einer eventuellen
Wahl zu? Daran schließt sich die zweite Frage: gehen die Rechte
des Königs über eine Bezeichnung der Person hinaus auf eine Über-
tragung des Amtes? Ist diese Frage zu bejahen, so ist weiter zu unter-
suchen, ob das ganze Amt oder nur einzelne Amtsrechte vom König
übertragen werden, in welcher Form die Übertragung geschieht und
auf welcher rechtlichen Grundlage sie beruht. Nur wenn diese Mo-
mente genau unterschieden werden ist es möglich, den Anteil der ein-
zelnen Faktoren bei Besetzung der Bistümer klarzustellen. Es ist ein
von vornherein zu konstatierendes Verdienst des Verfassers der vor-
liegenden Schrift, daß er die Notwendigkeit der genannten Unter-
scheidungen erkannt hat und dadurch zu einer klaren Stellungnahme
in den einzelnen Fragen gekommen ist. Für die Merowingerzeit gelangt
er zu dem gleichen Resultat wie H. von Schubert in seiner kurz vorher
erschienenen Schrift über „Staat und Kirche in den arianischen König-
reichen und im Reiche Chlodwigs“: die Merowingerkönige haben nicht
nur bei Bezeichnung der Person einen entscheidenden Einfluß (durch
Bestätigung der Wahl bezw. königliche Ernennung) ausgeübt, sondern
auch regelmäßig das bischöfliche Amt übertragen (königliche Ein-
setzung), und dieser Umschwung gegenüber der bisherigen kanonischen
Ordnung ist bereits unter Chlodwig, nicht erst unter seinen Nach-

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