Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 9 (1844))

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Das Mitekgenthum der Miterbcn aber wird nirgend»'
wo als ein besonderes ausgezeichnet.
E. Die Gegner berufen sich ferner zur Begründung
ihrer Ansicht auf §. 12, worin bestimmt wird:
„Wenn es aber auf Verfügungen über die gemein-
schaftliche Sache oder die Art ihrer Verwaltung und
Benutzung ankommt, so entscheidet in der Regel die
Mehrheit der Stimmen."
Diesen Grund glauben wir durch die einfache Be,
merkung zu widerlegen, daß in der Verfügung über das
Mitekgenthum an einem einzelnen Nachlaßstücke nicht eine
Verfügung über die Substanz, Besitz und Benutzung der
gemeinschaftlichen Sache liege.
F. Wir gehen nun zu dem Hauptgründe der ent-
gegengesetzten Ansicht über, welcher ohne Zweifel die
ganze Theorie veranlaßt hat.
Es ist dies die Bestimmung des Allg. Landrechts,
wornach die Mitcrben vor getheilter Erbschaft für die
Erbschaftsschulden gemeinschaftlich haften. Um beurthei-
len zu können, ob aus diesem Grundsätze die entgegen-
gesetzte Ansicht mit Nothwendigkeit folge/ müssen wir
das Wesen der gemeinschaftlichen Haftbarkeit untersuchen.
Denken wir uns mehrere, bei einer Obligation bethei-
ligte Personen, als verschieden für sich stehende Rechts-
subjekte, so läßt sich eine Betheiligung Mehrerer an ei-
ner Obligation nur in der Weise denken, daß Jeder ent-
weder pjo rata oder Jeder insolidum betheiligt ist;
eine dritte Art ist nicht möglich, den» sobald die Er-
füllung erzwungen oder wirklich geleistet wird, können
die Einzelnen nur in der Weise Theil nehmen, daß Je-

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