Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 5 (1838))

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aus der Vorderthüre verstoßenen Advokaten — wurden
Bevollmächtigte. Das Verfahre« der Gerichts-Ordnung
führt?'nun ^ber zu abwechselnden Jnconseqnenzen. Der
Advokat war zwar Vertreter der Parthei, aber dennoch
waren seine Manual-Akten dem Richter vorzulegen, und
der Richter nahm daraus Veranlassung, von Amtswegen
Resolute zu erlassen, wenn er nicht gar — was auch
häufig cintrat — aus einer arglosen Aeußerung in denselben
sofort erkannte. Mancher Rechtsfreund, der nichts anerkannt
Ungerechtes verthcidigt, dagegen aber auch das ewige
Gesetz: man soll Gott mehr gehorchen, dann den Menschen,
das heißt: die beschworne Treue gegen die Parthei gilt
mehr, als eine offenbar bloß aus Versehen nach Auf-
hebung ihres Grundes stehen gebliebene Prozeßvorschrift,
fich gegenwärtig hält, wird zwar vermeiden, daß nichts,
was Mißverständnisse zum Nachtheil seiner übrigens km
Rechte — scy cs nun formellen oder materiellen — sich
befindenden Parthei herbeisühren könnte, in die Manual-
Akten komme. Allein Mancher läßt aus Versehen Sachen
in die Manual-Akten kommen, die, vom Richter gelesen,
seiner Parthei sehr nachtheilig werden. So schrieb vor
mehreren Jahren eine Parthei ihrem Anwalde im Zom
über das Gericht der zweiten Instanz km Vergleich zum
ebenfalls bei ihr unbeliebten ersten Instanz-Richter: la
finesse surpasse 1’adresse; aus den Manual-Akten
ward nachher vom Gerichte eine Untersuchung abgeleitet;
man sagte, die Parthei mußte wissen, daß der Anwald
die Manual-Akten dem Richter vorlegcn mußte, sie hat
also auch beabsichtigt, daß der Richter diese Injurie er-
fahre, sie hat ihn injurürm wollen; acht Wochen saß
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v.

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