Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 15 (1852))

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gleichviel ob sie wirklich geschehen ist oder nicht, , als erfolgt
vermuthet wird ohne Zulassung des Beweises für das Gegen-
rheil. Die Präsumtion haf lediglich in einem praktischen
Bedürfnisse ihren Grund. Sie ist keine Ausnahme von
dem Grundsätze, daß zur Uebergabe körperliche Besitzergrei-
fung nothwendig sei. Dieser Grundsatz wird vielmehr in
Aufstellung der Rechtsvermuthung anerkannt. Die Rechts-
vermuchung ist nur eine Ausnahme von der Regel, daß
derjenige, welcher eine Thatsache behauptet, sie auch bewei-
sen muß. Als fernere Ausnahmen von dem Grundsätze,
daß zur Uebergabe körperliche'Besitzergreifung nothwendig sei,
hat man wohl die traditio brevi manu und das constitutum
possessorium aufgestellt. Freilich spricht dafür das Margi-
nale zu §. 70—73. A. L. R. 1. 7. Allein dies Marginale
ist nur ein unglücklicher Ausdruck. In der That entsteht
auch bei der traditio brevi manu und dem constitutum pos-
sessorium, welches letztere einen Besitzerwerb durch Stellver-
treter enthält, nicht durch bloße Willenserklärung die Ueber-
gabe; das corpus possessionis ist nur hier vor der Willens-
erklärung bereits vorhanden, während es ihr sonst nachsolgt.
Die beiderseitige Erklärung, eine Sache übergeben und über-
nehmen zu wollen, ist also keine Uebergabe und gewährt
darum auch kein Eigenthum.
2. Das s. g. Anerkenntniß, die Uebergabe sei erfolgt,
ist kein Anerkenntniß, sondern ttn Geständniß. beider wer-
den diese beiden Ausdrücke in der Praxis zu häufig mit ein-
ander vermengt. Unsere Gesetze 3) unterscheiden sie auf das
Bestimmteste. Wo man bei uns technische Terminologieen
findet, da halte man sie nur fest; ihr Mangel trägt einen
großen Theil der Schuld an der Unklarheit der Gesetze und
an der juristischen Verflachung ihrer Ausüber. Anerkennt-
niß ist das Einräumen eines Rechtsverhältnisses, welches

S) z. D. A G. O. I. 25. §. 65.

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