Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 15 (1852))

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Koch 9). DaS Obcrtribunal hat freilich die Ansicht nicht
näher und Koch dieselbe unter anderen Gesichtspunkten, als
hier versucht worden, begründet.
Nach prozessualischen Regeln kann man das fragliche
Geständniß der Uebergabe nur als ein unbedingtes Zeugnitz
auffaffen, über dessen Kraft der §. 158. a. und b. A. G. O.
I. 10. maaßgebend ist. Aber auch unter diesem Gesichts-
punkte ist auf das Geständniß nicht soviel Gewicht zu legen,
daß man auf einen nothwendigen Eid erkennen könnte. So
lange der Gestehende lebt, verdient seine Angabe keine Be-
rücksichtigung, weil er als Zeuge hätte vergeschlagen und
eidlich vernommen werden können; da harre sich gezeigt, cb
und wie er bei dem Geständnisse interessirt war oder nicht,
und ob und inwiefern dem Geständnisse eine Wahrscheinlich-
keit zum Grunde Liegt oder nicht. Ebenso wenig verdient
das Geständniß Berücksichtigung, wenn der Gestehende als
ein Mann unbescholtenen Rufs gestorben ist. Jedes Zeug-
niß, wenn eS Beweis für die materielle Wahrheit liefern
soll, setzt voraus, daß der Zeuge ohne Zweifel bei der Sache
uninteressirt ist. Ein solclier Zweifel waltet aber in der Re-
gel bei dem fraglichen Geständnisse ob, selbst wenn die Ein-
rede der Simulation oder Betrügerei bei dem ganzen Kauf-
verträge, in welchem das Gestandniß enthalten ist, nicht
bewiesen wird. Werl man sich überhaupt bei der Frage nach
der Beweiskraft deS Geständnisses als eines unbeeidigten
Zeugnisses auf dem Gebiete der faktischen Vermuthungen be-
findet, muß man auch den faktischen Verhältnissen überall
Rechnung tragen. Und die sind denn in der Regel so, daß
man sich der Vermuthung einer Lüge odersdcch eines Inter-
esses des Gestehenden bei dem fraglichen Geständnisse nicht
entschlagen kann. Dem Exequenden droht die Exekution;

9) Vergl. Koch'S Schlef. Arch. VI. 512— 530.; Koch's Civil-
prozeß §. 466.

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