Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

Schadensersatz wegen Nichterfüllung bei gegenseit. Verträgen. 95
Nichterfüllung, so ist nach unserer Ansicht das Ergebniß im
Wesentlichen das gleiche, wie wenn es zur Naturalleistung
und daneben zur Entschädigung wegen verspäteter Leistung
käme27). Denn der Verkäufer hat die Waare zu liefern, und
die vom Gegner zu leistende Entschädigung setzt sich ihrem Be-
trage nach zusammen aus dem vereinbarten Kaufpreis und
dem Interesse, welches der Verkäufer an dessen rechtzeitiger
Begleichung gehabt haben würde.
Diese Erscheinung hängt aber mit dem Umstande zu-
sammen, daß Geldleistungen, für deren Ausbleiben Entschädigung
zu zahlen ist, im Gegensätze zu anderweitigen Schuldobjekten,
eine Veränderung ihres Inhaltes nicht erleiden können, weil
der Schadensersatz selbst in Geld bewirkt werden muß. Des-
halb wird sich die gleiche Sachlage bei allen Kontrakten
wiederholen, welche, wie der Kauf, eine Geldverbindlichkeit zum
Gegenstände haben. Man darf aber nicht vergessen, daß die
Vorschrift des § 326 B.G.B. nicht bloß für den Kauf, sondern
für sämmtliche gegenseitige Verträge gilt, und daß für alle die
überaus zahlreichen Fälle, in denen die unmöglich gewordene
oder verzögerte Leistung nicht auf Geld gerichtet ist, der
Schadensersatz wegen Nichterfüllung zu einem durchaus anderen
Ergebniß führt als die Vertragsvollziehung in natura.
e) Hat der Vertragstreue Theil dem in Verzug befindlichen
Schuldner eine Nachfrist gesetzt, und läuft dieselbe fruchtlos ab,
so ist nach B.G.B. §326 Abs. 1 S. 2 Halbs. 2 „der An-
spruch auf Erfüllung ausgeschlossen". Auch in dieser
Bestimmung wollen die Gegner einen Anhaltspunkt finden, indem
sie dieselbe nicht bloß auf die Naturalleistung des Schuldners,
sondern auch aus die korrespondirende Verpflichtung des Gläu-

27) Auf diesen Punkt, den bereits Schöller l S. 623 berührt, legt
Staub, a. a. O. S. 1278 Anm. 21 besonderes Gewicht.

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