Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

Die auf Geschäftsbesorgung gerichteten entgeltlichen Verträge. 41
jenigen Vorschriften keine Anwendung finden, die gerade darauf
beruhen, daß der Unternehmer die Herstellung des Werkes ver-
sprochen hat, selbst dann nicht, wenn dem Beauftragten ein
Lohn nur für den Fall der Herstellung des Werkes zugesichert
wäre. Dabin gehören meines Erachtens insbesondere die Vor-
schriften über die Folgen der Mangelhaftigkeit und der nicht
rechtzeitigen Herstellung des Werkes (§§ 633—639). Nehmen
wir z. B. an, ein Techniker hätte sich verpflrchtet, an der
Herstellung einer bestimmten Maschine aus Aluminium zu
arbeiten, gegen ein Entgelt, das nur im Falle Gelingens des
Versuchs zu zahlen wäre. Gesetzt nun, die hergeftellte Maschine
wäre mangelhaft, so darf § 634 auf diesen Fall nicht an-
gewendet werden: es kann keine Frist zur Beseitigung des
Mangels gesetzt, keine Wandelungs- und keine Minderungsklage
erhoben werden. Vielmehr ist nur einfach die Bedingung nicht
eingetreten, unter der allein das Honorar geschuldet war. Es
darf nicht Wunder nehmen, daß der Beauftragte bei dieser
anomalen Art von Vereinbarung schlechter daran ist als der
Werkunternehmer. Das Normale wird da, wo der Arbeiter
des Erfolgs seiner Arbeit nicht sicher ist. immer sein, daß er
sich für seine Arbeit unabhängig vom Erfolg bezahlen läßt;
hat er aber, wie im obigen Falle, die Gefahr der Nickt-
erreichung des Erfolgs auf sich genommen, so muß er die
harte Konsequenz tragen. Analoge Anwendung auf den ent-
geltlichen Auftrag scheint mir dagegen möglich bei den Be-
stimmungen über die Abnahmepflicht, die Folgen des Annahme-
verzugs des Bestellers, die Gefahrtragung, das Pfandrecht des
Unternehmers.
Zum Schlüsse sei ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht,
daß nach der hier vertretenen Auffassung der Begriff der Ge-
schäftsbesorgung in § 675 des B.G.B. kein anderer ist als in
88 662 und 677. Jede Art von Geschäft, die überhaupt

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