Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

Zu 1, 20 I). de rebus creditis 12, 1.

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gäbe und Rückgabe der Geldstücke, insbesondere ob Eigenthum
hüben und drüben übertragen wird oder nicht. Julian
stellt nur eine Diagnose in Betreff der wirthschaftlichen Natur
dieses Geschäftes, in Betreff der empirischen Absicht der Par-
teien, beschränkt sich aber dabei auf die negative Fest-
stellung: es liegt keine Schenkung vor (keine donatio in
dem Sinne offenbar, in dem dieses Wort gewöhnlich in den
Quellen gebraucht wird, nämlich einer durch unmittelbare Ueber-
tragung von Eigenthum vollzogenen Schenkung) *), weil durch
die gleichzeitige Vereinbarung sofortiger Zurückgabe empfangener
Geldstücke ein für die Schenkung charakteristisches Moment1 2)
verneint ist; — und es liegt keinDarlehn vor, weil dessen
wirthschaftlicher Eharakter es erheischt, daß dem Empfänger
der Geldstücke ein seinem Vermögen nicht zugehöriger Werth
auf den Empfänger zu zeitweiliger Verwendung übertragen
wird, während hier die Hingabe der Geldstücke nur den Ueber-
gang eines, — wenn vielleicht auch nicht mehr im Eigen-
thum des Empfängers stehenden, doch wegen der vereinbarten
sofortigen Rückgabe noch zu seinem Vermögen gehörigen
— Werthes auf den Empfänger bewirkt.
Wie das Geschäft positiv zu charakterisiren sei, sagt die
Stelle in dem uns vorliegenden Wortlaut nicht. Ich halte es
aber für möglich, ja für mehr als wahrscheinlich, daß Julian
auch eine positive Diagnose gestellt hat, die Kompilatoren sie
aber aus einem aus dem Nachfolgenden sich ergebenden Grunde
uns vorenthalten haben.
Jedenfalls können wir aber seine positive Auffassung von
den Geschäften zwischen den Zeilen lesen, wenn wir den Zu-
sammenhang berücksichtigen, in dem die Stelle bei Julian

1) Bergt. Burckhard, Zum Begriff der Schenkung, S. 51 ff.
2) Julian in >. XVII Dig. 1. 1 pr. de donat. 39, 5.

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