Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

10. Organ und Stellvertreter

Nachdruck verboten.

VIII.
Organ und Stellvertreter.
Von Professor Dr. Schloßmann in Kiel.
I.
In meinem Buche über „Die Lehre von der Stellver-
tretung" habe ich zu wiederholten Malen das Verhältniß der
Personen, die für eine juristische Person zu wirken nach ihrer
Verfassung berufen stnd — der Beamten des Staates und der
Gemeinden, der Vorstände von Korporationen, Stiftungen und
Anstalten — zu der juristischen Person als Vertretungsverhältniß,
jene Personen selbst als Vertreter bezeichnet. Dabei war ich
mir sehr wohl bewußt, mich in Widerspruch mit einer in
neuerer Zeit sehr weit verbreiteten Lehre zu befinden, die jenes
Verhältniß in scharfen Gegensatz zur Stellvertretung stellt und
beide als von Grund aus von einander verschieden bezeichnet.
Gierte war es bekanntlich, der zuerst und mit großer
Energie die Behauptung verfochten hat, daß die verfassungs-
mäßig zum Handeln für eine juristische Person berufenen Per-
sonen nicht Vertreter, sondern „Organe" der juristischen
Person seien und einen von jenen völlig verschiedenen juristischen
Charakter tragen.
i) Bergl. bes. Gierte, Die Genossenschaftstheorie und die deutsche
Rechtssprechung, S. 614 ff. — Deutsches Privatrecht, Bd. i S. 472 ff. und
die S. 472 Anm. 16 angeführte Literatur.
XLIV. 2. F. VIII.

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