Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

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Wilhelm Kisch,

andere auf Erfüllung nur bestehen, wenn er dies dem Gegner
sofort mittheilt. Dagegen kann er zurücktreten oder wenn der
andere sich in Verzug befindet, Schadensersatz wegen Nicht-
erfüllung verlangen:
„Wird Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangt, und
hat die Waare einen Börsen- oder Marktpreis, so kann der
Unterschied des Kaufpreises und des Börsen- oder Markt-
preises zur Zeit und am Ort der geschuldeten Leistung ge-
fordert werden" (§ 376 Abs. 2 H.G.B.). '
„Das Ergebniß eines anderweitig vorgenommenen Verkaufes
oder Kaufes kann, falls die Waare einen Börsen- oder
Marktpreis hat, dem Ersatzanspruch nur zu Grunde gelegt
werden, wenn der Verkauf oder Kauf sofort nach dem Ab-
lauf der bedungenen Leistungszeit oder Leistungsfrist bewirkt
ist. Der Verkauf oder Kauf muß, wenn er nicht in öffent-
licher Versteigerung geschieht, durch einen zu solchen Ver-
käufen oder Käufen öffentlich ermächtigten Handelsmäkler,
oder eine zur öffentlichen Versteigerung befugte Person zum
laufenden Preise erfolgen" (Abs. 3).
Hier ist also der Theil, welcher Schadensersatz verlangt,
zur eigenen Leistung offenbar nicht verpflichtet, da er sogleich
die Differenz zwischen Kauf- und Marktpreis verlangen, auch
eine anderweitige Veräußerung der Waare vornehmen darf^).
Und zwar tritt die dargelegte Regelung nicht bloß ein, wenn
der Kaufgegenstand nur der Gattung nach, sondern auch,
wenn er speziell bestimmt ist.
Man könnte nun daran denken, diese Stelle für die
gegnerische Ansicht durch folgende Argumentation nutzbar zu

7i) Dabei interesstrt der Verzug des Verkäufers auS dem Grunde
nicht, weil ja in einem solchen Falle die Vornahme des Deckungsgeschäftes
durch den Käufer mit einer Weigerung der Preiszahlung an sich noch nicht
identisch ist. Vergl. oben S. 130.

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