Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

Der Kreditvertrag.

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samtresultat ihrer Auffassung. Dieses Gesamtresultat fassen wir
zusammen in den Worten: „Ob bei einem Geschäft der An-
spruch auf die Widerleistung erst deshalb mit der Vorleistung
materiell perfekt wird, weil nach dem Willensinhalt der beiden
Parteien ein Teil vorzuleisten hat, oder ob der Anspruch auf
die Gegenleistung durch die Vorleistung erst deshalb rechtlich
entsteht, weil erst die Vorleistung das pactum nudum, das
die Verpflichtung zur Gegenleistung statuiert, zur juristischen
Tatsache macht, das kommt auf eins hinaus: das Geschäft
mit Vorleistungspflicht ist identisch mit dem
römischen Real kontra kt."
In der Tat ist das die Idee, die der ganzen modernen
Realkontraktslehre zu Grunde liegt.
Inkonsequent verfuhr man aber damals (vor Brinz) hier
insofern, als man schlechthin erklärte, die Innominatkontrakte
seien jetzt Konsensualkontrakte geworden; man hätte ebensogut
wie das Darlehen, so auch z. B. die Vereinbarung, ein Pferd
zu leisten gegen einen 6 Monate später zu leistenden Ochsen,
oder gegen eine 6 Monate später zu leistende Geldsumme, für
einen Realkontrakt erklären müssen: auch hier wird der Anspruch
auf die Gegenleistung erst mit der Vorleistung materiell perfekt.
Ohne weiteres verband man mit dem Begriffe des Real-
kontrakts im modernen Sinne jene Abscheidung des Darlehens-
versprechens und des Zinsversprechens, die sich für die Römer
aus dem Erfordernis der Stipulation ergeben hatte: man über-
nahm nicht nur den Namen des römischen Realkontrakts für das
Geschäft mit Vorleistung, sondern legte auch diesem „Realkontrakt"
im neuen Sinne die Wirkungen des römischen Realkontrakts
bei, — ohne daß dessen Voraussetzungen noch vorhanden waren.
Hinsichtlich der Zinsverpflichtung zum mindesten gilt das
eben Gesagte uneingeschränkt; denn die römische Abtrennung
des Zinsversprechens vom übrigen Tatbestand kann lediglich

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