Full text: Volume (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

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Victor Ehrenberg,

überhaupt kein Interesse daran, vielmehr kann es nur ge-
winnen, wenn das Vermögen der Aktiengesellschaft wertvoller
ist, als es scheint, und wenn daher die Aktien billiger zu kaufen
sind; lediglich die Aktionäre selbst können sich dadurch beein-
lrächtigt fühlen, einmal weil sie zu wenig an Dividende er-
halten, und sodann, weil möglicherweise dadurch der Kurs, also
der Verkehrswert ihrer Aktien verringert wird. Da aber das
eigene Interesse der Aktionäre und der Geseüschastsorgane, wie
oben bemerkt, schon ohnedies nach der entgegengesetzten Rich-
tung hin tendiert und eine unterwertige Bilanz dritten Personen
(dem Publikum) nur nützlich ist, so hat der Gesetzgeber jeden-
falls kein Interesse daran, die Aufstellung einer solchen durch
zwingende Rechtssätze zu verhindern oder gar unter Strafe
zu stellen.
Wie er sich im übrigen gegenüber der faktischen Aufstellung
einer solchen Bilanz verhalten soll, ob er sie im Interesse des
Publikums geradezu gutheißen oder im Interesse der Aktionäre
ihre Umstoßung gestatten soll, darüber läßt sich freilich streiten.
Unser Gesetzgeber hat sich dahin entschieden, daß er die Um-
stoßung einer solchen Bilanz zwar nicht verbietet, aber erschwert.
Er gestattet sie nämlich nur, falls durch die Aufstellung das
Gesetz oder das Statut verletzt wird und auch für diesen Fall
erschwert er sie gegenüber allen sonstigen Arten der Gesetzes-
oder Statutsverletzungen in einzig dastehender Weise. Daraus
muß man schließen, daß der Gesetzgeber die Unterbewertung an
sich billigt, wenn auch die gesetz- und statutenwidrige Majori-
sierung einer Minorität der Generalversammlung nicht schlechthin
unanfechtbar sein soll.

IV.
Wann aber liegt eine solche anfechtbare Majorisierung vor?
Zweifellos dann, wenn das Statut ein h öchstes statthaftes
Maß für Abschreibungen und Rücklagen ausdrücklich vor-

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